Victor Thoma: Ein toter Mann ist doch kein D-Zug
Written by Ulrike Stiefelhagen |
 
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Ellermann versetzt seinen Freund, der zur verabredeten Zeit im gemeinsamen Stamm-Café auf ihn wartet. Ein sehr ungewöhnliches Verhalten für den sonst so zuverlässigen, vorsichtigen und zurückhaltenden Ellermann! Das findet zumindest der Freund, der zugleich früher Ellermanns Psychiater war, und der uns diese Geschichte erzählt.

Ellermann, ein arbeitsunfähiger Pianist und Junggeselle mit Haushälterin, lässt sich überreden für etwas Geld auf die alte Dame Sophia aufzupassen, während deren geschäftstüchtiger Sohn Markowski verreist ist. Ellermann und Sophia beginnen mit einem Essen in einem guten Restaurant – doch dann verschwindet Sophia. Die alte Dame erweist sich als schwieriger zu hüten als gedacht, und nicht nur die ominösen neuen Nachbarn haben ein Geheimnis. Ellermanns Abenteuer beginnt. Er durchlebt (und meistert) seine Ängste und sympathische Schrulligkeiten, angefangen beim Lampenfieber, das seinerzeit seine Pianistenkarriere beendete. In der Manier eines Geheimagenten mit Ärmelschonern trickst Ellermann Polizei und Verbrecher aus – und das, obwohl er sich eigentlich in seinem Sessel am Wohlsten fühlt.

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Die Geschichte ist angenehm spannend, gemächlich erzählt, und wird von Claus Vester mit betont ruhiger Stimme gelesen. Selbst wenn in wenigen Episoden die Handlung etwas anzieht (vom Dachfirst abrutschender Ellerman, explodierender Wagen, Verfolgungsjagden per Leihrad), überträgt sich die Spannung kaum auf den Hörer. Sie ist gerade spannend genug, um interessant zu sein, aber nicht so spannend, um einem den Schlaf zu rauben. So ist es auch nicht wirklich schlimm, wenn man einmal einschläft – im nächsten Track findet man schnell zurück in die Handlung.

Vesters Stimme ist eigentlich viel zu jung für die Erzählerfigur: Ellermanns Psychiater soll um die 80 Jahre alt sein. Doch gibt er sich Mühe tief und getragen zu lesen, und die weiblichen Rollen gelingen recht überzeugend. Ein finales Happy End in allen Erzählsträngen und ein schöner Ausblick auf das weitere Leben der Personen runden die gemütliche Einschlafhilfe ab.

 

Leider ist die Track-Nummerierung sehr unübersichtlich, und die langen Titel der Tracks machen den Wiedereinstieg nach einer Hörpause schwer. Warum das Hörbuch „Ein tote Man ist doch kein D-Zug“ heißt, erschließt sich nicht, und das Cover, das ein älteres Paar schlafend auf der offenen Ladefläche eines Transporters zeigt, lässt nur den einen Schluss zu: Dieses Hörbuch wurde speziell als Einschlafgeschichte konzipiert. Und wirklich ganz ohne Zynismus: diesen Zweck erfüllt „Ein toter Mann ist doch kein D-Zug“ sehr gut!

Von Victor Thoma ist mittlerweile mit „Mops und Totschlag“ die zweite Ellermann-Geschichte im Berlin Verlag als Taschenbuch erschienen.

 

 

Unsere Bewertung:

Sprecher:
Handlung:  
Charaktere:
tech. Umsetzung: -
Cover:  -
Emotion:
 
10 Punkte = Tinnitus

Cover: © steinbach

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