Mike Powelz: Die Flockenleserin
Written by Adriane Haussmann |
 
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Sterben  - das ist so ein Thema. Eigentlich möchte niemand darüber reden. Der Tod wird im Alltag oft verdrängt, macht Angst und wird mit Trauer verbunden. Dabei gehört er vom ersten Tag an mit zu unserem Leben. Mit jedem Tag, den wir durchs Leben gehen, rückt die Begegnung mit ihm näher.

Autor Mike Powelz hat sich für seinen Roman „Die Flockenleserin“ genau dieses Themas angenommen. Wir befinden uns in einem Hospiz und die meisten werden sich dabei nun eine krankenhausartige Atmosphäre vorstellen, dabei sollte man es eher mit einem Hotel vergleichen. Jeder Gast hat sein eigenes Zimmer, bekommt Besuch, hat seine Haustiere und hat eben die Annehmlichkeiten eines Hotelbesuchs. Es wird die Wäsche gemacht, es wird gekocht, es gibt Rahmenprogramm und wer möchte, nimmt daran teil und wer nicht möchte, der bleibt auf seinem Zimmer.

Unser Schauplatz heißt „Haus Holle“ und beherbergt 12 Gäste. Einer dieser Gäste ist die 84-Jährige Minnie. Minnie möchte die ihr verbleibende Zeit nicht allein in ihrer Wohnung verbringen und hat sich daher dazu entschieden in „Haus Holle“ einzuchecken. Schnell lernt sie die anderen 11 Gäste kennen, alle Gäste haben ihre eigenen Geschichten und diese kann man mögen oder nicht, aber Minnie ist nicht allein. Und gerade als Minnie denkt, dass es doch noch ganz schön werden könnte in nächster Zeit, verändert sich die Lage. Natürlich sterben im Hospiz Menschen, doch Minnie scheint die einzige zu sein, die erkennt, dass es sich hierbei nicht um natürliche Tode handelt. Ihr kriminalistischer Spürsinn erwacht zum Leben und Minnie schwört sich den Mörder in die Finger zu bekommen....

 

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„Die Flockenleserin“ ist durchweg skurril! Ein Hospiz als Schauplatz für einen Krimi. Ein Mörder, der bereits Totgeweihte umbringt und dabei ganz und gar nichts mit einem Todesengel gleich zu haben scheint. Mehr als 15 Stunden umfasst das Hörbuch und reiht sich damit in die Laufzeit der anderen Hörbücher, die im thono audio Verlag erscheinen, ein. Hinter dem Mikro begleitet einen dabei Caroline du Fresne durch die Szenarien.

Minnie wirkt ein bisschen wie Miss Marple und scheint feinfühliger als die anderen Gäste. Niemandem außer ihr scheinen hier die Merkwürdigkeiten aufzufallen, also muss sie selbst an die Arbeit. Und Minnie scheint erfolgreich. Sie deckt ein dunkles Geheimnis nach dem anderen über die weiteren Gäste im Haus auf.

Manchmal ist weniger mehr! Das dachte ich mir bei diesem Hörbuch vor allem zum Ende hin. Es wird immer verrückter und man versucht viele Tabuthemen auf einmal mit in dem Hörbuch integrieren zu wollen. Aber dadurch wird „Haus Holle“ ein wenig zerstört. Plötzlich sind alle Bewohner wie Kiezfiguren, von der Gesellschaft eher ausgestoßen und es gibt fast keinen „normalen“ Gast mehr.

Dabei ist die Story gut recherchiert und fundiert aufgebaut. Auch was es mit dem Titel auf sich hat, wird gut erklärt. Der Ausflug in die Hypnose und zu Ursula Demarmels hingegen, hat die Story an sich nicht weitergebracht und hätte auch nur als Bonus auf einer eigenen CD mit angeliefert werden können. Es ist einfach zu viel, was man abdecken möchte, anstatt einem roten Faden zu folgen. Eine Laufzeit von 8 Stunden wäre von Minute 1 an vollgepackt gewesen, so hat man aber bei 15 Stunden immer wieder langatmige Momente, die sich in Details verlieren. Das ist schade!

Ich denke, dass man damit auch die Barriere zum Erstkontakt ziemlich hochsteckt. Sich 8 Stunden mit dem Thema Sterben zu beschäftigen und dabei eher das Gefühl zu haben, man höre einen Krimi, ist mit Sicherheit leichter für einen Hörer, der sich bisweilen nicht thematisch damit beschäftigt hat, als 15 Stunden, die einen mit Details nur so erschlagen. Hier hat man sich vielleicht die eigene Zielgruppe verschreckt. Und dabei ist Minnie eine wirklich herrlich unterhaltsame Detektivin.

 

Unsere Bewertung:

Sprecher:
Handlung: 
Charaktere:
tech. Umsetzung: 
Cover: 
Emotion:
 
18 Punkte = Rohdiamant

Cover: © thono audio

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