Mariana Leky: Was man von hier aus sehen kann
Written by Martina Ernst |
 
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Für Ihren Debütroman „Erste Hilfe“ wurde Autorin Mariana Leky 2005 mit dem Förderpreis für junge Künstler in der Sparte Dichtung/Schriftstellerei des Landes NRW ausgezeichnet. In „Was man von hier aus sehen kann“ bringt ein Traum das Leben aller Dorfbewohner durcheinander.

Immer, wenn Selma im Traum einem Okapi begegnet, stirbt kurze Zeit später jemand. Auch Selmas neuer Okapi-Traum hat sich schnell im Dorf herumgesprochen. Die meisten treffen Vorsichtsmaßnahmen und erledigen nur das Nötigste. Manche warten sogar auf den Tod. Kaum einer zweifelt, dass sich auch dieses Mal die Todesankündigung bewahrheitet.

 

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Es gibt ganz bestimmte Nachbilder, die immer wieder in den seltsamsten Momenten auftauchen. Der Prolog ist eingehüllt in eine Atmosphäre des Innehaltens und der Nachdenklichkeit. Die Geschichte wird in der Ich-Perspektive aus Sicht der 10-Jährigen Luise erzählt. Selma ist Luises Großmutter. Eigentlich will Selma den neuen, beunruhigenden Okapi-Traum für sich behalten, aber Luise durchschaut ihr verändertes, überfröhliches Verhalten. Klar, dass in einem Dorf ein Geheimnis kein Geheimnis bleibt. Der ungewöhnliche Erzählstil und die originellen Beschreibungen reißen von Anfang mit. „An solchen Tagen war alles möglich.“ Berührend wie ein alter Bauer auf den höflichen Tod wartet, ihm ein Stuhl an das Bett stellt und die Dachluke für die reisende Seele öffnet. Neben dem Umgang mit dem unberechenbaren Tod, geht es auch um verschwiegene, verschnürte und herausgerückte Wahrheiten. Eine heimliche Liebe hat sich längst im Dorf herumgesprochen. Wann wird derjenige den Mut aufbringen und endlich seine Gefühle beichten? Aufzählungen werden zum besonderen Stilmittel umfunktioniert. Bei einer wirkt es, als hätte die Schallplatte einen Sprung. Das Rätsel, wen der Tod trifft, findet eine schockierende Auflösung. Sandra Hüllers Stimme passt gut zum Erzählstil. Sie weiß, die Geschichte gefühlvoll umzusetzen. Als Zehnjährige geht sie nicht durch. Hauptfigur Luise hat aber auch schon etwas sehr Erwachsenes.

Der Zeitsprung in der Geschichte wird am Alter eines Hundes dargestellt. „Wusstest du, dass eigentlich nichts verloren gehen kann?“ Poetisches, Wahrheiten, Humor, die Mischung entfaltet einen eigenen Charme. Die urigen Charaktere prägen sich ein. Jede einzelne Szene hat Anteil an Unterhaltungswert und Intensität. Ein defekter Anrufbeantworter wird zum Symbol für das Unperfekte. „Gibt es noch versuchte Morde oder wollen wir jetzt essen?“ Alle Protagonisten entwickeln etwas Liebenswertes. Nicht nur einmal wollen sich Tränen in die Augenwinkel schleichen. Warmherzig, bewegend und eindringlich. Die letzten Hörminuten kommen viel zu plötzlich.      

Ein bisschen seltsam wirkt der Titel. Das Cover ist zu schlicht und unauffällig für diese bemerkenswerte Geschichte. Die Details lassen den Humor erahnen. Auf dieses Hörbuch kann nichts vorbereiten. „Was man von hier aus sehen kann“ ist so völlig anders, eigen und besonders. Wer Kurioses und Emotionales liebt, liegt mit diesem Hörbuch richtig.

 

 

Unsere Bewertung:

Sprecher:
Handlung:  
Charaktere:
tech. Umsetzung: 
Cover: 
Emotion: 

28 Punkte = Hörmuss

Cover: © tacheles