Tad Williams: Der Abschiedsstein
Written by Sven Kettner |
 
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Mit 34 Stunden Spielzeit und dem Titel „Der Abschiedsstein“ geht es in die nächste Runde der großen Tad Williams Saga „Das Geheimnis der Schwerter“ rund um den ehemaligen Küchenjungen Simon. Die Situation könnte mittlerweile fast nicht schlimmer sein. Naglimund ist gefallen. Josua befindet sich mit einem kleinen Haufen aus Getreuen auf der Flucht.  Miriamel wird weiterhin gesucht und befindet sich in zwielichtiger Gesellschaft. Zu guter Letzt wird dem Troll Binabik auch noch Verrat gegenüber seinem Volk vorgeworfen.

Die Diener des Sturmkönigs Ineluki bewegen sich unaufhaltsam übers Land hinweg. Eines der drei großen Schwerter ist im Besitz von Simon, jedoch scheinen die anderen unerreichbar zu sein. Die Sithi erkennen zunächst nicht die große Gefahr und wollen es in ihrem eigenen Reich aussitzen. Der Winter hält an diesem Ort keinen Einzug, denn dort herrscht ewiger Sommer und so ist die dunkle Seite dieser Jahreszeit nicht bekannt. Es liegt in Simons Händen das alte Volk zu überzeugen, dass diese aus ihrem Exil hervorkommen und sich der Sache von Josua und aller Menschen gegen die Nornen und das Böse anschließen. Jedoch scheint sich lediglich Jiriki für diese Belange zu interessieren. Alle anderen nehmen den Winter nicht ernst und auch einst ihr Vorfahre, Ineluki, scheint nicht für Aufregung zu sorgen. Es muss etwas derart Entsetzliches passieren, damit die Sithi kapieren, was auf dem Spiel steht. So viel sei gesagt, es kommt zu einem großen Zwischenfall, der die Zuhörer hoffen lässt, dass das Volk um Jiriki nun in die Geschehnisse eingreift.

 

Ein besonderes Merkmal im zweiten Teil sind vor allem die häufigen Ortswechsel. Wie oben schon aufgeführt, sind mehrere Splittergruppen durch den Kampf und anderen Gegebenheiten entstanden. Der Autor Tad Williams lässt den Zuhörer aber Schritt für Schritt an allen Geschehnissen teilhaben, wenngleich die Geduld des Öfteren auf die Probe gestellt wird. Der Zuhörer wird häufig am spannendsten Fortschritt weggezogen und an einen anderen Ort versetzt. Das Für und Wider solcher Szenenwechsel gilt es hierbei abzuwägen. Wie erwähnt, wird sehr oft eine richtige Stelle getroffen und erzeugt dadurch einen Spannungsaufbau. Dennoch ist dies nicht in jeder Situation gelungen und sorgt dafür, dass der Zuhörer etwas verwundert über den Wechsel ist.

 

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Weitere Personen kommen  hinzu und ergeben eine enorme Fülle an Charakteren. Aber dies ist bei der doch erheblichen Spielzeit kein Problem, denn der Zuhörer wird in der Spielzeit von 34 Stunden über alles bestens informiert und kann ebenso die Figuren richtig und schnell zuordnen. Für Quereinsteiger eignet sich der zweite Teil aus subjektiver Einschätzung nicht. Die Verstrickungen und Fortschritte sind zwar durch den Rückblick am Anfang der ersten CD sogar sehr ausführlich aufgeführt, jedoch geht das Wissen und die Entwicklung über einzelne Figuren abhanden, wenn man den ersten Teil nicht angehört hat.

Der Sprecher Andreas Fröhlich glänzt vor allem in der Rolle des Trolles Binabik. Die Aussprache und Sätze sorgen für einige erheiternde Momente. Auch ist das Stimmenprofil hierbei gleich. Natürlich sind auch die Sithi wunderbar gesprochen. Vereinzelt fällt es dem Sprecher aber hörbar schwer zwischen so vielen Figuren zu wechseln und hat mehrmals Startschwierigkeiten, um die richtige Stimme zur richtigen Person zu finden. Dies dauert nur wenige Sekunden, ist aber natürlich hier und da doch auffällig. Ein weiterer Charakter, der wiederum einwandfrei und völlig überzeugend verkörpert wird, ist Pyrates. Das absolut Hinterlistige und wahrhaft Böse spiegelt sich in jedem einzelnen Wort wider. Der Zuhörer entwickelt vom ersten Augenblick an starke negative Emotionen gegenüber dieser Figur.    

Zudem wird auch bei anderen Charakteren stark mit den Gefühlen gespielt. Zweifel und Angst strömen dem Zuhörer entgegen, denn die Aussicht auf ein gutes Ende wird von Minute zu Minute weniger. Zwar ergibt sich oft ein kleiner Hoffnungsschimmer, dieser wird aber stets durch eine andere Handlung zunichte gemacht. Die Nerven der Hauptakteure liegen blank und selbst dem Zuhörer fallen keine, oder nur sehr wenige Lösungen ein, es anders anzupacken, als der letzte Widerstand rund um Josua,  gegen den Sturmkönig und seine Schergen.

Das Umfeld des Königs wankt zwar ein wenig, denn alte und enge Freunde sehen ihren Lehnsherrn nach und nach mit anderen Augen, aber die Linie bleibt gleich. Alles deutet daraufhin, dass der Abschiedsstein zwar eine Zuflucht bietet, aber das Unvermeintliche nur hinauszögert.

Ist der Winter schon zu weit fortgeschritten, als dass  Josua und Simon noch die Welt vor dem Bösen befreien können? Die einzige Hoffnung liegt darin, dass die Sithi sich ihnen anschließen und die letzten Schwerter in ihren Besitz gelangen.

Als Abschluss möchte ich noch einen persönlichen Denkanstoß geben: Könnte es sein, dass Simon womöglich auch „Blaues Blut“ in sich trägt? Er wurde von einem der besten Gelehrten aufgenommen und dies ist mehr oder weniger im Verborgenen geschehen. Schließlich begann sein Weg als Küchenjunge und auch wenn er sich selbst oft als Mondkalb schallt, schwebt ein großes Geheimnis über seiner Vergangenheit. Ob sein Vater wirklich nur ein einfacher Fischer war?

 

Unsere Bewertung:

Sprecher: (3,5)
Handlung: 
Charaktere:
tech. Umsetzung: (4,5)
Cover: (3,5)
Emotion:
 
24,5 Punkte = Hörspaß

Cover: © der Hörverlag

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