Juliet Hall: Ein verzauberter Sommer
Written by Martina Ernst |
 
Font size decrease font size increase font size
Rate this item
(0 votes)

Die britische Autorin Juliet Hall hat eine Vorliebe für ihr Italien. Ihr erster Roman „Das Erbe der Töchter“ spielt an der italienischen Riviera, „Eine letzte Spur“ in Rom und Umbrien. „Ein verzauberter Sommer“ entführt Leser wie Zuhörer nach Sizilien. Tess ist der Vergangenheit ihrer sizilianischen Mutter Flavia auf der Spur.

Tess erhält überraschend einen Brief vom Nachlassverwalter. Sie hat eine Villa in Sizilien geerbt. Einzige Bedingung, sie muss sich das Anwesen vor Ort anschauen. Tess reist nach Sizilien und wird von der besonderen Atmosphäre sofort gefangen genommen. Will sie die Villa wirklich verkaufen? Warum hat ihre Mutter Flavia Sizilien verlassen und ist nie wieder in ihre Heimat zurückgekehrt? Flavia verschweigt ihre Vergangenheit. Was ist damals geschehen? Die Suche vor Ort erweist sich als schwierig. Tess braucht einen Übersetzer und jeder, der ihr hilft scheint in eine alte Familienfehde verwickelt zu sein.

PersonalNOVEL - Personalisierte Bücher und Romane

Juliet Halls Liebe für Sizilien wird übers Meer, das Essen, die fremde Kultur ausgedrückt. Die Autorin versucht, alle Sinne anzusprechen. Tatsächlich wird die Neugierde auf das Land geweckt. Informationen aus dem Reiseführer oder eigenen Erlebnissen fließen aber zu offensichtlich ein. Allein der Name Sizilien klingt schon reizvoll. Der Handlungsort hat etwas Faszinierendes. Das Flair wird zwar romantisch betont, aber es baut sich keine dichte, mitreißende Atmosphäre auf, die eigentlich möglich gewesen wäre. Die Geschichte wirkt zu konstruiert, aus vielen Puzzlestücken zusammen gesetzt. Interessant sind nicht die Familienfehde und der verschwundene Schatz. Allein Flavias Geheimnis sorgt für eine gewisse Spannung. Hätte die Autorin den Fokus darauf gelegt und wäre nicht in Nebengeschichten abgewichen, hätte die Story wesentlich besser funktioniert. Flavia bleibt die reizvollere Hauptfigur. Ihr Schicksal berührt, weil es bestimmt ähnliche, nicht ganz so dramatische, reale Geschichten gibt. Ihr Wunsch nach Freiheit, eigenen Entscheidungen ist nachvollziehbar. Sie glaubt an sich und ihren Weg und ist ein tolles Vorbild für andere junge Frauen. Ganz egal, was dann geschieht und wie ihr Steine in den Weg gelegt werden. Schade, dass Mutter und Tochter die Spur in die Vergangenheit nicht zusammen verfolgen. Die Geschichte hätte auch allein durch Briefe an die Tochter erzählt werden können. Ein zusätzliches Abenteuer darum zu weben, macht „Ein verzauberter Sommer“ zu kitschig. Das Buch hätte eine ganz andere Anerkennung erfahren können. So wird aus Juliet Halls Roman eine locker leichte Lektüre. Unterhaltsam, mit wenig Tiefgang. Alles dreht sich um die Liebe. Die Krimielemente bringen keine zusätzliche Spannung zu tage. Die Auflösung gehört ein bisschen in die Märchenwelt. Schade! Eine besondere Anziehungskraft haben der Beruf des Mosaikkünstlers und das Seeglas. Die Szenen setzten Bilder in Gang. Sprecherin Irina Scholz setzt viel Leidenschaft in ihre Stimme. Sie verleiht der Figur Flavia das richtige, erfahrene Alter. Aber auch sie kann über die Schwächen der Geschichte nicht hinweg trösten. Allein die Musik schafft zusätzlich Atmosphäre. Sie wird dosiert auch mitten in der Geschichte eingesetzt und erleichtert die Handlungswechsel. Von der Villa hätten ruhig mehr Details auftauchen dürfen. Das vorhandene Potential wurde nicht ausgeschöpft.

Der gedeckte Tisch auf dem Cover bringt nicht so richtig sizilianische Atmosphäre auf. Er hätte auch auf Mallorca oder Kreta stehen können. Die Meerjungfrauen-Villa hätte mehr Aufmerksamkeit erregt. „Ein verzauberter Sommer“ eignet sich gut als Reiselektüre oder als Einstimmung auf eine Reise in den Süden. Der Wunsch nach einem Zuhause am Meer entsteht. Jeden Tag schwimmen können, jeden Tag die Sonne genießen. Schade, dass so ein Brief vom Erbe nicht ins eigene Haus trudelt. Wünsche, Sehnsüchte werden wach. „Ein verzauberter Sommer“ hat seinen Auftrag erfüllt. Das Reiseziel Sizilien wird bestimmt den ein oder anderen überzeugen. Fernweh, das heimliche Ziel „Ausbrechen aus dem Alltag“ schlummert in den meisten Menschen.         

 

Unsere Bewertung:

Sprecher: (3,5)
Handlung: (2,5)
Charaktere: (2,5)
tech. Umsetzung:  (4,5)
Cover: (2,5)
Emotion:
 
18,5 Punkte = Rohdiamant

Cover: © Luebbe audio

Jetzt bei audible downloaden

oder