Dora Heldt: Ausgeliebt
Written by Adriane Haussmann |
 
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Peng! Der Satz hat gesessen. Mit einem Mal liegt Christines Welt in einem Scherbenhaufen vor ihr. Zuerst will sie es nicht recht glauben und versucht ihre Ehe noch einmal zu kitten, doch keine Chance. Ihr Mann möchte sich trennen, der Grund warum macht die Sache gleich noch schlimmer. Denn ihre beste Freundin springt seit Jahren hinter ihrem Rücken mit ihrem Mann in die Kiste und hat ihn sich nun ganz unter den Nagel gerissen. Christine ist fassungslos!

Doch was hilft es den Kopf in den Sand zu stecken? Mit viel Unterstützung packt Christine ihre Sachen und zieht nach Hamburg. Eine neue Frisur ist der erste Schritt in ein neues Leben, das plötzlich abwechslungsreicher und spannender ist als das zuvor. Und allmählich kommt der Lebensmut zurück und dann taucht da plötzlich auch ein neuer Mann auf und irgendwie scheint es mit 40 als Singlefrau in der Großstadt doch gar nicht mal so schlecht zu sein….

 

Autorin Dora Heldt hat mit „Ausgeliebt“ ein typisches Portrait geschaffen. Sie zeigt wie mut- und kraftlos man sich fühlt, obwohl man jetzt für den Neuanfang am meisten Kraft bräuchte. Wie viel mit einem einzigen Satz plötzlich kaputt gehen kann und vor allem wie man die neue Situation als Chance sehen soll. Ihrer Protagonistin gelingt mit der Hilfe ihrer Freunde der Schritt in das neue Leben, das sich allmählich formt und neue Seiten an Christine zeigt, die sie schon fast an sich vergessen hätte. Sie landet in einer Clique, die so gut wie nur aus Singles besteht und die Möglichkeiten der Großstadt voll ausnutzt.

Was allerdings sehr auffällt, ist der hohe Alkoholkonsum. Bei fast jeder Gelegenheit wird Bier, Sekt oder Wein getrunken. Wenn es ganz hart sein muss auch mal ein Glas Schnaps. Christine geht unzählige Male angetrunken und betrunken zu Bett. Manchmal könnte man meinen für die häufige Nennung der Marken, vor allem der Weinmarken, hätte es Geld gegeben. Denn die Zigaretten- und Kaffeemarken werden nicht ein einziges Mal mit Namen benannt.

 

Aber abgesehen davon sieht man schön die Entwicklung und wie Christine Schritt für Schritt ins neue Leben geht. Wie viel von der Autorin selbst in Christine steckt, ist unklar. Doch Dora Heldt ließ es sich nicht nehmen und liest ihr Buch selbst. Dadurch wird aus dem Hörbuch eine Autorinnenlesung, die durch Heldts doch sehr tiefe und raue Stimme an Glaubwürdigkeit gewinnt. Man kann sich Christine vorstellen, wie sie abends mit der Bierflasche in der einen und der Kippe in der anderen auf ihrer Terrasse sitzt. Die Zahl 40 klopft an die Tür, die ersten Falten sagen hallo und auch das Grau auf dem Kopf hat schon Einzug gehalten.

Doch Christine wird plötzlich eine lebenslustige Frau, die ihre Erfahrung nutzt ihren Bedürfnissen gerecht zu werden. Die Bierflasche wird zum Weinglas, das abends mit Freunden gepflegt in einem Szenelokal getrunken wird und plötzlich ist jede Falte charmant, denn man weiß: diese Frau hat etwas zu erzählen! Und plötzlich ist sie die geheime Geliebte eines verheirateten Mannes…

Zusammengefasst; „Ausgeliebt“ könnte vor allem Frauen, die gerade in solch einer Phase stecken interessieren und Mut machen. Man sollte Christine als Vorbild nehmen und sich selbst die Chance geben noch einmal neu anzufangen. Natürlich sind hier kein großer Spannungsbogen oder komplizierte Verstrickungen zu finden, dennoch hätte man den Aufbau ein wenig abwechslunsgreicher durch mehr Rückblicke gestalten können. Aber dafür gibt es eine ganze Schippe echtes Leben, das manchmal eben ganz schön beschissen sein kann und trotzdem lebenswert ist.

 

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Cover: © Jumbo

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