Anna Xiulan Zeeck: Das Mädchen am Rande der Stadt
Written by Martina Ernst |
 
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Mit ihren Kinder- und Jugendbüchern gibt Autorin und Verlegerin Anna Xiulan Zeeck einen Einblick in die chinesische Kultur und Herausforderungen, denen sich Jugendliche im heutigen China stellen müssen.

Die 12-Jährige Hanli hat sieben Jahre bei ihren Großeltern in einer abgelegenen Berggegend verbracht. Nun macht sie sich zusammen mit ihrem besten Freund Wen-Dong auf die Reise nach Peking zu ihren Eltern. Hanli träumt davon, Städterin zu werden und möchte auf eine öffentliche Schule gehen. Sie ahnt nicht, dass ihr als Kind von Wanderarbeitern Steine in den Weg gelegt werden und Diskriminierung an der Tagesordnung ist.

 

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Die Geschichte beginnt in einer Bergidylle. Hanli ist bescheiden aufgewachsen und wurde von ihren Großeltern liebevoll umsorgt. In Peking lernt Hanli, wie hart ihre Eltern ums Überleben kämpfen müssen. Hanlis größter Wunsch, in eine öffentliche Schule zu gehen, scheint unerreichbar. Für die Erlaubnisbescheinigung müssen zahlreiche Dokumente zusammen getragen werden und auch dann ist es fraglich, ob Hanli die wichtige Bescheinigung erhält. Das Leben der Wanderarbeiter berührt. Es scheint, dass sie tagtäglich gegen Windmühlen kämpfen. Sie sind der Behördenwillkür hilflos ausgeliefert, werden gedemütigt und ausgegrenzt. Es klafft eine unüberbrückbare Lücke zwischen arm und reich. Wanderarbeiter gelten als nicht gesellschaftsfähig, schmutzig und ungebildet. Was Hanli und ihre Eltern erleben macht fassungslos. Es gilt mehr als ein Hindernis und eine neue Eskalation zu überwinden. Die Geschichte hat etwas Melancholisches und sehr Trauriges. Warum werden Unterschiede zwischen den Menschen gemacht? Warum wird nicht jeder mit Respekt behandelt? Nicht nur Hanli muss ein ums andere Mal ihren Kummer überwinden. Der 14-Jährigen Wen-Dong hat es ebenfalls nicht leicht, seine Träume zu erfüllen und seinen ganz eigenen Weg zu gehen. Bei den Nebenfiguren beeindruckt besonders ein Kämpfertyp. Erst nach und nach werden Tang Mings Lebensumstände und Probleme deutlich. Er hat gelernt, sich nichts gefallen zu lassen und seine Freunde zu schützen. Vorurteile, Mobbing, Familie, Freundschaft, Zusammenhalt, „Das Mädchen am Rande der Stadt“ nimmt sich vielen aktuellen Themen an. Hauptfigur Hanli sorgt für bewegende Momente. Die Stimme von Sprecherin Ulrike Kriener ist etwas zu alt für das zwölfjährige Mädchen. Trotzdem entwickelt die Geschichte ein besonderes Flair. Vielzu schnell naht der Schluss. Gerne hätte die Story noch weiter gehen können. Sehr gelungen ist das Ende mit Hanlis Gedicht „Wer ich bin“ und der längere musikalische Ausklang. So schnell lässt sich dieses Hörbuch nicht vergessen.

Das Cover mit Hanli im Focus und dem treffenden Titel passt sehr gut zum Inhalt. Der Bambus als Detail reicht völlig aus, um auf einen besonderen Handlungsort hinzuweisen. Die Farben sind passend zu Hanlis Charakter zurückhaltend gewählt. Mit wenigen Mittel erzielt das Cover Aufmerksamkeit. „Das Mädchen am Rande der Stadt“ öffnet die Augen über problematische Lebensbedingungen und lässt die eigenen Herausforderungen und Alltagstücken in kleinem Licht erscheinen. Die Altersempfehlung für dieses Hörbuch liegt bei ab 10 Jahren. Auch für Erwachsene ist „Das Mädchen am Rande der Stadt“ eine lehrreiche und berührende Geschichte.    

 

Unsere Bewertung:

Sprecher:  (3,5)
Handlung:
Charaktere: (3,5)
tech. Umsetzung: (4,5)
Cover: (4,5)
Emotion: (3,5)

23,5 Punkte = Hörspaß

Cover: © uccello

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