Kate Klise: Gespenster gibt es doch!
Written by Martina Ernst |
 
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Ignaz B. Griesgram hat in den letzten zwanzig Jahren nichts Lesenswertes mehr geschrieben. Am ehemals erfolgreichen Schriftsteller der Geisterbezwinger-Bände nagt der Pleitegeier. Damit ihn die Muse wieder küsst, mietet er sich über den Sommer in eine alte viktorianische Villa ein, ohne Telefon und andere Störungen. Dummerweise wohnt im zweiten Stock ein elfjähriger Junge und unter der Kuppel das Gespenst Olivia. Klar, dass Griesgram nicht seine ersehnte Ruhe findet und sich so manch schaurigem Ereignis stellen muss.

 

Am Anfang werden die einzelnen Figuren mit jeweils ihrer Sprecherstimme vorgestellt. Eine tolle Einleitung. Die Geschichte selbst besteht größtenteils aus brieflicher Korrespondenz. Was langweilig klingt, ist ein genialer Schachzug. Besonders Ignaz B. Griesgram verzweifelt während des Schreibens immer mehr. Seine entgleisten Gesichtszüge kann man direkt vor sich sehen. Der gesteigerte Ärger trifft auf seelenruhige Gegenspieler. Mal ist es der Anwalt von Griesgram, mal der freche Mitbewohner oder die überdrehte Maklerin von Imposante Immobilien. Ein witziger Einfall reiht sich an den anderen. Die 122 Minuten vergehen wie im Flug. Originell sind auch Namen wie Mrs. Kadaver oder Böhnchen für den Privatdetektiv, der Leichenhallenweg 4, wo das Krankenhaus zu finden ist oder das Gasthaus „Zum Grausen“. Aus dem verärgerten, grantigen und erbostem Griesgram wird durch Severin und Olivia ein umgänglicher, liebenswerter Mensch. Das Hörbuch hat also auch Lehrreiches zu bieten. Wenn Böhnchen am Ball ist, bleibt kein Auge trocken oder wenn sich Griesgram „noch bekloppter wie ein Steak“ verhält. Die Sprecher zu den einzelnen Figuren sind wunderbar ausgewählt. Am besten haben mir Rolf Becker für Ignaz B. Griesgram, Eike Onyambu für Severin Hoffnung, Anne Moll für Olivia C. Spence und Danielle Green für Anita Billiger gefallen. Sie geben die Stimmungen und Emotionen der einzelnen Figuren grandios wieder. Das Hörbuch ist eigentlich für Kinder von 8-10 Jahren gedacht. Aber auch Erwachsene werden einen Riesenspaß damit haben. Die witzige und weise Geschichte ist ebenfalls für verzweifelte Autoren, mit und ohne Schreibblockade, ein hilfreicher und sehr unterhaltsamer Hörgenuss.

Das Cover sprüht mit der verrückten, alten Villa, Griesgram und den Fledermäusen vor Witz und Ironie. Die Farben sind nicht zu knallig in passenden Pastelltönen Blau, Gelb, Rot und Grün gehalten. Griesgram hat die Hände in die Hüften gestemmt und guckt so fassungslos auf das Haus, als wüsste er, was ihm bevorsteht. Die Beilage ist genauso gestaltet und listet die einzelnen Sprecher mit ihren Hauptrollen auf. Das Hörbuch hat durch seinen ungewöhnlichen Aufbau, den vielen Humor, die wunderbaren Sprecher, Ideen und die passende lustige bis dramatische Musik einen besonderen Charme. Man wünscht der Autorin Kate Klise, dass auch alle nachfolgenden Hörbücher der Serie mit genauso viel Leidenschaft inszeniert und gestaltet werden. Bei der fröhlichen Musik habe ich ab der zweiten CD gerne mit gepfiffen. Die Illustrationen stammen übrigens von der Schwester der Autorin M. Sarah Klise. Eine tolle, wunderbar gelungene Zusammenarbeit. Ein altes Haus in der Nähe ihres Elternhauses diente als Anregung für die Spence-Villa. Geschichten liegen eben auf der Straße. „Gespenster gibt es doch!“ erobert die Herzen im Sturm und könnte Buchliebhabern als Einstieg in die Hörbuchwelt dienen. Ich liebe beides. Viel Neues von den liebenswerten Hauptfiguren steht schon in den Startlöchern. Wer ein Geschenk braucht, liegt mit diesem Hörbuch goldrichtig.

 

Unsere Bewertung:

Sprecher : 

Story:

Aufbau:

Atmosphäre:

19 Sterne= Hörmuss

Cover: © audiolino

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