Sabine Martin: Die Tränen der Henkerin
Written by Martina Ernst |
 
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„Die Tränen der Henkerin“ ist der Folgeband von „Die Henkerin“ und beginnt sieben Jahre später. Melisande wird von ihrer Vergangenheit eingeholt und muss sich gleich mehreren Gegnern stellen. Hinter dem Pseudonym Sabine Martin verbirgt sich das Autorenduo Martin Conrath und Sabine Klewe.

Rottweil 1332, Melisande ist verheiratet mit dem Weinhändler Wendel und hat eine kleine Tochter. Ihr glückliches Leben wird auf den Kopf gestellt, als Melisandes Schwiegervater in ihrer Vergangenheit herumstochert, der verschollene Burggraf Ottmar de Bruce tot entdeckt wird und sich ein verliebter aber kaltblütiger Ritter an ihre Fersen heftet. Geheimnisse werden aufgedeckt. Es gibt kein Entrinnen.

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„Die Tränen der Henkerin“ beginnt originell mit einem Alptraum. Schreckliche Geheimnisse belasten eine glückliche Ehe. Die Lage spitzt sich immer mehr zu. Für Melisande und ihre Familie scheint es keine Zukunft zu geben. Am Anfang der Geschichte werden notwendige Informationen in Gedanken verpackt. Das wirkt etwas zu gewollt und kompakt. Es ist zu erahnen, dass die Harmonie nicht lange andauert und Melisande droht, alles zu verlieren, ihren Ehemann, ihre Tochter. Die Bewunderung der Autoren für die Hauptfigur Melisande alias Melissa ist hautnah zu spüren. Ihr Charakter wird von Klugheit, Entschlossenheit, Mut und List geprägt. Mit ihren roten Haaren und den blauen Augen entspricht sie dem historischen Klischee der idealen temperamentvollen, starken Hauptfigur. Ihre Schönheit nimmt Männer gefangen. Der Charakter kommt zu überzeichnet rüber. Melisande hat zu wenige Schwächen, ist nur über ihre Familie und ihre Vergangenheit angreifbar. Die Sympathie für sie und ihre Familie entwickelt sich wie von alleine.

„Die Tränen der Henkerin“ ist eigentlich eine historische Liebesgeschichte mit Dramatik und ein paar spannenden Szenen als Beiwerk. Gelungen ist der musikalische Ein- und Ausklang, der in die mittelalterliche Zeit entführt. Der Glaube an Gott, an das Gottesurteil spielt eine große Rolle. Melisande schlüpft in „Die Henkerin“ und in „Die Tränen der Henkerin“ in männliche Rollen, um ihre Gegner auszutricksen. Sie ist dabei so geschickt, dass sie kaum einer wieder erkennt. Ihr Glück in kritischen bis lebensgefährlichen Situationen ist zu unglaubwürdig. Ein weiteres Manko ist die Rolle des Antonius, der sich eher dem Vater seines besten Freundes Wendel anvertraut und so Wendel in den Rücken fällt. Auch mit viel Wohlwollen nicht nachvollziehbar! Wie raffiniert, berechnend und heimtückisch können Frauen sein? Das zeigt Melisandes Feindin. Viel Neues gibt es nicht bei den Charakteren und auch die Geschichte hat nicht allzu viele Überraschungen parat. Gelungen ist die Wahl der Sprecherin. Nicole Engeln bringt Leben in die Geschichte und verleiht den Figuren Charakter. Ihre Ausdruckskraft rettet über Vorhersehbares hinweg und lässt den Zuhörer am Ball bleiben.      

Auf dem Cover steht der Titel im Vordergrund. Das Dunkelrot und die geschwungene Schrift sind gut getroffen. Wieder eine Rothaarige als Motiv hätte das Hörbuch leicht verwechselbar mit anderen Exemplaren aus dem Genre gemacht. In so fern ist die Gestaltung gelungen. Das Cover erregt Aufmerksamkeit und stimmt auf die historische Geschichte ein. Melisandes Leben ist von schrecklichen Ereignissen geprägt. Sie ist eine Kämpferin, die sich immer wieder beweisen muss. Rache, Verrat, Intrigen, Verschwörung. Der Schlagabtausch zwischen Gut und Böse sorgt für Unterhaltung. Die tödliche Gefahr lauert überall. Fans des ersten Teils werden nicht enttäuscht werden. Ein solides Werk mit leichten Schwächen. Pure Faszination kommt nicht auf.

 

Unsere Bewertung:

Sprecher:
Handlung: (2,5)
Charaktere: (2,5)
tech. Umsetzung: 
Cover:
Emotion:
 
19 Punkte = Rohdiamant

Cover: © Luebbe audio

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