Iny Lorentz: Die Wanderapothekerin
Written by Martina Ernst |
 
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Hinter dem Pseudonym Iny Lorentz verbirgt sich das deutsche Schriftstellerehepaar Iny Klocke und Elmar Wohlrath. 2003 schafften sie mit dem historischen Roman „Die Kastratin“ den Durchbruch. 2009 wurde ihr Roman „Die Wanderhure“ mit Alexandra Neidel verfilmt. In „Die Wanderapothekerin“ begibt sich die 17-Jährige Klara auf eine gefährliche Reise.

Thüringen, 18. Jahrhundert, Klaras Vater Martin ist verschollen. Als ihr Bruder Gerold das fürstliche Privileg des Wanderapothekers übernimmt, kehrt auch er nicht von seiner Reise zurück. Johanna und ihre Kinder drohen in Armut abzustürzen. Klaras Bruder Albert ist erst 9 Jahre alt und noch zu jung, um als Wanderapotheker durch die Lande zu ziehen. Martins Bruder Alois unterbreitet Johanna einen Vorschlag. Klara misstraut ihm und will nicht, dass ihre Mutter darauf eingeht. Alois tut nichts, was nicht zu seinem Vorteil ist. Klara entscheidet sich, die Reise als Wanderapothekerin anzutreten. Tobias, der Sohn des Laboranten Just, folgt ihr, um bei eventuellen Gefahren zur Stelle zu sein und sicher zu gehen, dass sie dem anstrengenden Job auch gewachsen ist.

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Die Geschichte startet mit einem Treffen am Lagerfeuer. Ein Streit um einen Goldschatz endet tödlich. Der Zuhörer weiß über den Täter Bescheid. Das Rätselraten nach dem Mörder findet also gar nicht erst statt. Der Täter ist gierig, verschlagen und hinterlistig. Als auch Gerold verschwindet, lässt sich leicht erahnen, wer dafür verantwortlich ist. Klara soll das nächste Opfer werden. Spannung kommt auf, als Klara auf Martha trifft und sie beide in mehr als eine brenzlige Situation geraten. Von Anfang an ist klar, dass sich im Laufe der Geschichte etwas zwischen Tobias und Klara anbahnt. Der Zuhörer erlangt zu viel Wissen. Klara manövriert sich durch Cleverness aus zu vielen gefährlichen Situationen. Sie bringt es nicht nur zu einer Heldentat. Den Unterhaltungswert steigert Martha mit ihrer lockeren Art, ihren Tricks und ihrer Raffinesse. Zwei tölpelhafte Gauner bringen etwas Humor in die Geschichte. Wann schlägt der Täter wieder zu? Klara gerät an mehr als einen Halunken. Unfassbar wie viel Glück sie immer wieder hat. Warum folgt Tobias ihr nur und begleitet sie nicht gleich? Okay, er hat noch andere Aufgaben, muss ich um die Geschäfte kümmern. Da er aber die Gefahren ahnt, die auf Klara lauern, wirkt das Ganze nicht sehr glaubhaft. Die Geschichte lebt von den Angriffsszenen und der langsam entflammenden Liebe zwischen Tobias und Klara. Die Frage ist, ob das ausreicht. Sprecherin Anne Moll schafft mit ihrer Stimme Atmosphäre. Sie schlüpft gekonnt in die Rollen von Klara und Martha, spricht Alois’ Tochter herrlich schnippisch und unterstreicht Alois’ Verschlagenheit. Auf der einen Seite Alois’ unsympathische, faule Familie, auf der anderen Seite Martins sparsame Art, die gutmütige Johanna und ihre wohlgeratenen Kinder, die gegensätzlichen Charaktere könnten aus einem Märchen entstammen. Dank Anne Moll bleibt der Unterhaltungswert, trotz der Schwächen der Geschichte, erhalten.

Das Cover mit dem ungewöhnlichen Ausschnitt und der besonderen Kleidung entführt in eine andere Zeit. Interessant ist zu erfahren, wie der Job eines Wanderapothekers damals aussah. Normalerweise waren Männer für das fürstliche Privileg vorgesehen. Geldgier weckt in einem Menschen die hässlichsten Charakterzüge. Aber ob ein Bruder deswegen auf den anderen losgeht? Eigentlich unvorstellbar. In „Die Wanderapothekerin“ muss Klara in einige menschliche Abgründe schauen und sich vielen Herausforderungen stellen. Wer eine Frau als Heldin in einem historischen Roman erleben möchte, liegt mit diesem Hörbuch richtig.

 

Unsere Bewertung:

Sprecher:
Handlung:
Charaktere:
tech. Umsetzung:
Cover:  (3,5)
Emotion: (3,5)
 
21 Punkte = Hörspaß

Cover: © Lübbe

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