Sally Nicholls: Keiner kommt davon
Written by Martina Ernst |
 
Font size decrease font size increase font size
Rate this item
(0 votes)

Der Debütroman von Autorin Sally Nicholls „Wie man unsterblich wird“ wurde unter anderem mit dem Luchs 2008 ausgezeichnet. Auch in „Keiner kommt davon“ dreht sich alles um das Thema Tod.

Erst sind es nur Gerüchte, dann erreicht die Pest 1349 auch das Dorf der 14-Jährigen Isabel und ihrer Familie. Angst und Misstrauen entzweien die Menschen. Wer krank wird, stirbt. Niemand will sich den Pesthauch ins Haus holen. Isabel kann den Egoismus der Menschen nicht verstehen. Sie hilft, wo andere zurückweichen und bringt sich selbst in Gefahr.

 

Momox.de - Einfach verkaufen.

 

Melancholische, zeitgemäße Musik unterstreicht die Tragik der Geschichte. Gerüchte um eine neuartige Krankheit, die das Verderben bringt, verbreiten sich wie ein Lauffeuer. Wer kann, flüchtet, sobald die Pest näher an das eigene Zuhause rückt. Die Flüchtenden will niemand aufnehmen. Zu groß ist die Angst vor der Ansteckungsgefahr. Das Schicksal der Menschen berührt. Wissen über die Krankheit ist nicht vorhanden. Es gibt keinen Schutz und kein Entrinnen. Es lässt sich erahnen, dass auch Isabel, ihre Familie und ihr Umfeld nicht verschont bleiben. Autorin Sally Nicholls stellt den Mut weniger Menschen in den Vordergrund. Viele bezahlen für ihre Hilfsbereitschaft mit dem Tod. Rätselhaft bleibt, warum einige Wenige davonkommen, obwohl sie mit Pestkranken in Berührung gekommen sind. „Keiner kommt davon“ gewährt einen Einblick in das Leben zur damaligen Zeit. Aberglaube, Gottesfürchtigkeit, Unfreiheit der Leibeigenen, harte Arbeit auf dem Feld, die Sehnsucht nach dem kleinen Glück. Es fällt leicht, mit Isabel und ihrer Familie mitzufühlen. Das ist auch Sprecherin Anne Moll zu verdanken, die den Charakteren und der Geschichte mehr Intensität verleiht. Leider spielt Autorin Sally Nicholls mit dem Entsetzen der Leser und Zuhörer. Schockierende Szenen, die mit der Pest zu tun haben, sind verständlich. Der Plot hat aber Wendungen parat, die sehr inszeniert und eher unecht wirken. Der Tränenfluss soll angeregt werden. Tatsächlich erwischen die Momente den Zuhörer eiskalt. Es fällt schwer, Verständnis aufkommen zu lassen, warum manche Charaktere so aus der Story gerissen werden. „Keiner kommt davon“ bekommt einen seichten Touch, vergleichbar mit einer Fernsehserie, bei der immer wieder etwas Wachrüttelndes auftauchen muss. Verlust, Trauer, Abschied, Isabel scheint einige Ereignisse gar nicht richtig an sich ranzulassen. Sie zerbricht nicht an den Schicksalsschlägen, sondern bleibt stark. Es fällt im Laufe des Romans schwer, der Hauptfigur das abzunehmen.             

Das Farbenspiel aus Weiß und Rot lässt den Titel hervortreten und verleiht dem Cover Anziehungskraft. „Keiner kommt davon“ ist für Kinder ab 12 Jahren gedacht und aufgrund des Themas und den Gepflogenheiten der damaligen Zeit kein leicht verdauliches Hörerlebnis. Es eignet sich eher für eine Zielgruppe, die nicht Unterhaltung, sondern das Historische als Hauptgrund für die Auswahl des Hörbuches sieht. Es bleibt eine traurige Geschichte.   

 

Unsere Bewertung:

Sprecher: (4,5)
Handlung:
Charaktere:
tech. Umsetzung: (4,5)
Cover: 
Emotion: (3,5)

22,5 Punkte = Rohdiamant

Cover: © audiolino

Jetzt bei thalia bestellen

oder