Friedrich Strassegger: Goldsteins Geständnis
Written by Adriane Haussmann |
 
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Wie schön wäre es zwischen drin einfach einmal kurz in die Haut eines anderen zu schlüpfen? Sei es um fünf Minuten Ruhm zu erhalten, einen sehnsüchtigen Kuss oder was das Herz sich davon erspricht. Doch was ist, wenn es kein Zurück für diese Aktion gibt? Wenn diese Aktion ein Stück deiner Seele kostet? Würdest du es dann tun wollen?

Hermann Westermayer ist im gesetzten Alter, möchte sich als Geschäftsmann zur Ruhe setzen und seinen Lebensabend genießen. Doch dies scheint ihm nicht vergönnt, denn ein Brief ereilt ihn, der droht sein Leben aus den Angeln zu holen. Das möchte Westermayer mit allen Mitteln verhindern und versucht das Problem auf seine Weise zu lösen. Doch das Unaufhaltsame beginnt damit seinen Lauf.

Das Glück scheint nicht mehr auf Westermayers Seite zu sein und so landet er schließlich im Gefängnis. Während seiner Gefangenschaft fällt die Maske und Westermayer erzählt die Geschichte seines Lebens, das Leben eines anderen ...

 

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„Goldsteins Geständnis“ hat es in sich! Soviel kann bereits zu Beginn verraten werden. Es geht schnell, dass Westermayer im Gefängnis landet und man fragt sich, wie denn die restliche Laufzeit von mehr als 10 Stunden gefüllt werden soll. Es folgt ein Schauplatzwechsel, eine weitere Hauptfigur und es wird klar: diese beiden werden aufeinandertreffen. Ja, sie werden aufeinandertreffen und dieses Treffen hat Folgen – auch für den Zuhörer.

Westermayer beginnt die Geschichte seines Lebens zu erzählen. Die Geschichte des SS-Sturmscharführers Hermann Westermayer, der nach dem Endedes zweiten Weltkrieges weiterleben wollte. Der die Konsequenzen seines Handelns fürchtete und so in die Haut eines anderen schlüpfte. Aus Westermayer wurde Daniel Goldstein, ein Jude, der den Holocaust glücklicherweise überleben konnte.

Daniel Goldstein fürchtet die Vergangenheit, fürchtet Verwandte und die Tatsache sein Verbrechen könnte aufgedeckt werden. Dennoch sucht er sein Glück. Versucht Fuß zu fassen, einen Alltag zu generieren, ein neues Leben zu erfinden. Ihm begegnet die Liebe, das Leben, das Glück .... nur um am Ende alles zu verlieren.

Goldstein hat ein turbulentes Leben, sieht viel von der Welt, hat Ideen, wird Geschäftsmann, doch das Lebensglück bleibt ihm verwehrt. Ich habe mich beim Hören immer wieder gefragt, ob das gerecht ist? Ob es die gerechte Strafe für das ursprüngliche Vergehen ist. Kann auf verseuchtem Boden nie Fruchtbares wachsen? Ist es das schicksalshafte Gleichgewicht, das diesen Mann sein lebenlang bestraft? Und wie lange muss ein Mensch dafür büsen? Ich war immer wieder zwiegespalten, denn es handelt sich in erster Linie um einen Verbrecher. Aber auch Verbrecher werden irgendwann wieder frei gelassen und erhalten einezweite Chance. Fair?

Mit der Zeit vergisst man, wer Goldstein ist und war und man beginnt mit der Hauptperson mitzufühlen, bis man wieder daran erinnert wird, wer und was Goldstein eigentlich in Wahrheit ist. Das Hörbuch ist eine echte Achterbahn der Gefühle, für den Zuhörer, und so vergehen die 634 Minuten wie im Flug. Kai Schulz liest Friedrich Strasseggers Werk souverän – aber ohne Wertung.

„Goldsteins Geständnis“ hat viele historische Elemente. Er schildert das dritte Reich und dessen Folgen aus einer anderen Sicht und erzählt auch, welche legalen und illegalen Chancen sich für die Menschen  danach auftaten.

Es ist keine leichte Lektüre, die man sich kurz einmal anhört, das Hörbuch hat Nachwehen – vor allem das Ende. Das hat mich persönlich tatsächlich geärgert, denn das hätte man auch schon mehrmals davor erhalten können und zufriedenstellend fand ich es auch nicht. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden.

Wer bereits Jodi Picoults „Bis ans Ende der Geschichte“ mochte, wird auch hier Gefallen finden!

 

Unsere Bewertung:

Sprecher:

Handlung: 

Charaktere:

tech. Umsetzung:  

Cover:  

Emotion:

21 Punkte = Hörspaß

 

Cover: © thono audio