Tony Black: Gelyncht
Written by Katharina Pütz |
 
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Fernab vom schroffen schottischen Charme, gemütlichen Whiskyproben, zerklüfteter Landschaft und klischeehaften Dudelsackklängen, geht es wild zu in Edinburgh. Mitten drin: Gus Dury. Der Ex-Reporter lebt gefährlich, nicht nur, weil er mitten in der Nacht – und mitten im Wald – über die Leiche eines Buchmachers stolpert. Dury ringt sich dazu durch, die Polizei zu rufen – und damit beginnt der ganze Ärger. Denn Jonny Johnstone denkt gar nicht daran, objektiv zu ermitteln: Er will Dury den Mord anhängen – und dessen Ex-Freundin heiraten. Was bleibt Gus Dury anderes übrig, als den Fall selbst in die Hand zu nehmen?

 

Gus Dury lebt noch. Was bei seinem Daseinswandel durchaus verwunderlich erscheinen mag. Dury betrachtet die Vernichtung hochprozentigen Alkohols als legitime Art, sich selbst das Lebenslicht auszublasen – bis es soweit ist, gilt es aber erst einmal, Fall Nummer zwei zu klären.

Tony Black hat mit „Gelyncht“ das zweite Werk mit dem Ex-Journalisten Dury als Protagonisten vorgelegt und wieder einen spannenden Krimi in Edinburghs Halb- und Unterwelt ersonnen. An der schottischen Hauptstadt lässt Black kein gutes Haar, dafür legt er viel Herzblut in die Figur seines Ermittlers, der sicherlich kein Glückspilz ist, aber auch niemand, den es zu bemitleiden gilt. Dury hat am Leben zu knabbern, wurschtelt sich aber durch – und manchmal fragt man sich, wie resistent seine Gehirnzellen sein müssen, um sich der Armada an Alkoholmolekülen zu widersetzen und vernünftige Gedanken zu fassen.

 

Gelesen wird „Gelyncht“ - wie schon der Vorgänger „Geopfert“ - von Bernd Stephan. Mit seiner sonoren Stimme gelingt es Stephan bestens, die finstere Geschichte dem Hörer nahe zu bringen. Atmosphärisch stimmig, spricht Stephan zuweilen mit nuanciertem Sarkasmus – so, wie Dury wohl reden würde, säße er dem Hörer an der Theke seiner Lieblingsbar gegenüber.

„Gelyncht“ ist ein gelungener hard-boiled Krimi, spannend und zackig. Eine lakonische, harte Geschichte, die Thriller-Fans gefallen sollte. Der verschrobene Protagonist Gus Dury ist ein abgewracktes Stehaufmännchen, chaotisch, mutig und immer ganz nah an der Katastrophe – doch dann gerettet vom 25. Whisky. Oder war’s der 26.?

 

Unsere Bewertung:

Sprecher:
Handlung:
Charaktere:
tech. Umsetzung:
Cover: (2,5)
Emotion:
 
22,5 Punkte = Hörspaß

Cover: © Jumbo

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