Val McDermid: Luftgärten
Written by Katharina Pütz |
 
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„Luftgärten“, der Fall der Kate Brannigans Spürsinn erfordert, klingt zunächst zwar kurios, aber wenig spannungsgeladen: An mehreren Einfamilienhäusern verschwinden die eben erst angebauten Wintergärten. Des Nachts. Nur ein paar Kratzer im Putz bleiben zurück. Detektivin Brannigan nimmt die Fährte auf, eigentlich nur aus gutem Willen, doch schon bald weckt der sonderbare Fall ihre Neugier. Sie beginnt zu bohren und zu graben, zu schnüffeln und zu forschen – und plötzlich nimmt das Ganze gefährliche Dimensionen an ....

 Kate Brannigan ist ab und an auch da unterwegs, wo Detektivarbeit wenig von dem Charme und der Action aus dem Kino versprüht, nämlich mitten drin im Alltag Manchesters. Sie beschattet die Betrüger, manchmal die Betrogenen, sie begibt sich auf manche Spur, entweder, weil die Kasse gefüllt werden muss – oder weil sie Gefallen verteilt. Auch der neue Fall mutet an wie einer, der kaum das Adrenalin zum Brodeln bringt. Ted, der Mann, der sich mit dem Anbau von Wintergärten selbstständig gemacht hat, klagt Kate, Teilhaberin einer Detektei, sein Leid. Er hat das Gefühl von seiner Bank über den Tisch gezogen worden zu sein. Zudem verschwänden seine eben erst angebauten Wintergärten quasi über Nacht.

Brannigan nimmt den Fall an, weil es aber nicht allzu aufregend erscheint, verschwundenen Wintergärten nachzuspüren, widmet sie sich parallel ihrer Freundin Alexis, die einem Betrüger aufgesessen ist. Nach und nach, Kate wird bedroht und in einen Unfall verwickelt, verquickt sich das Geschehen – und zwei Fälle verweben ineinander.

 

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Anders als in der Reihe um Profiler Tony Hill und seine kongeniale Kommissarinnen-Partnerin Carol Jordan, verzichtet Val McDermid in ihren Kate-Brannigan-Krimis – so auch in „Luftgärten“ - auf Härte, Thrill und pathologische Psychopathen. Die Detektivin aus der englischen Großstadt ist der alltäglichen Kriminalität ausgesetzt, keinen wahnsinnigen Serienmördern oder perfiden Lustkillern. Der Hörer begleitet die Ermittlerin bei ihrer manchmal recht drögen Arbeit, ist dabei, wenn sie mit ihrem Hasch-rauchenden Lebensgefährten verschiedene Chinarestaurants ausprobiert und sich über Klamotten Gedanken macht. Brannigan hat vielleicht keinen normalen Beruf, aber auch das Detektivsein sprüht nicht vor Schusswechseln oder wilden Verfolgungsjagden. Und gerade das macht es angenehm. Die Geschichte ist ab der Mitte recht vorhersehbar, dennoch ist man gut unterhalten. Statt krachender Spannung gibt es spannende Gelassenheit, gepaart mit den Ermittlungen einer sympathischen Frau, gekrönt von der Kuriosität der Idee verschollener Wintergärten.

 

Gelesen wird "Luftgärten", wie schon Brannigans erster Fall „Abgeblasen“, von Tanja Geke. Die Stimme von Eva Green passt gut zum entspannt-gelassenen Ermittlungsstil Brannigans, es macht Spaß, ihr zuzuhören.

Fazit: „Luftgärten“ ist gute Krimiunterhaltung für einen winterlichen Nachmittag. Wer gute, zurückhaltende Ermittler mag und auch das Alltägliche der literarischen Detektivarbeit schätzt und die Protagonistin dabei begleiten möchte, macht mit diesem Hörbuch nichts falsch.

 

Unsere Bewertung:

Sprecher:
Handlung: (3,5)
Charaktere:
tech. Umsetzung:
Cover: 
Emotion:
 
19,5 Punkte = Rohdiamant
Cover: © Luebbe audio

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