Arne Dahl: Tiefer Schmerz
Written by Martina Ernst |
 
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Hinter dem Pseudonym Arne Dahl verbirgt sich der schwedische Autor Jan Arnald. Die Krimireihe um die A-Gruppe, eine Sonderermittlungsgruppe der schwedischen Polizei für Verbrechen internationaler Tragweite, war sein Durchbruch. In „Tiefer Schmerz“ haben es die Sonderermittler Paul Hjelm und Kerstin Holm mit gleich drei Fällen zu tun.

Im Stockholmer Freizeitpark Skansen werden im Vielfraß-Gehege die Reste einer männlichen Leiche entdeckt. War es Mord? Ein zehnjähriges Mädchen wurde in der Nähe des Parks angeschossen. Nicht die einzigen seltsamen Vorfälle. Acht Asylantinnen verschwinden spurlos. Sie haben als Prostituierte gearbeitet. Gibt es einen Zusammenhang zwischen den Fällen? Die A-Gruppe hat alle Hände voll zu tun, das knifflige Rätsel zu lösen. Die Identifizierung des Vielfraßopfers erweist sich als schwierig. Kopf und Finger sind verschwunden.

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„Tiefer Schmerz“ beginnt mit einer mysteriösen Hetzjagd. „Die Gegenwart von Etwas ist jetzt überall.“ Sind es Wölfe, Schattenwesen oder Rachegöttinnen? Das Opfer steht unter Drogen und versteht nichts mehr. Der Schrecken, die Angst nehmen stetig zu. Gleich die ersten Minuten weisen auf einen sehr rätselhaften Krimi hin. Die Angreifer, wenn es denn welche gibt, bleiben im Geheimen. Die Realität vermischt sich mit dem Wahnsinn zu einem undurchdringlichen Nebel. Erst als das Opfer aufgefunden wird, lässt sich Einiges erklären. Spekulationen nehmen zu. Zwei Verbrechen sind sehr nahe beieinander begangen worden, da liegt eine Verbindung nahe. Wie die verschwundenen Prostituierten ins Bild passen, bleibt erst einmal genauso rätselhaft wie der Rest der Geschichte. Makabre Mordfälle häufen sich. Der Mensch wird mit einem wilden Tier verglichen. Sind es Hinrichtungen? Geht es um Rache? Die Ermittlungen ziehen sich hin. Nicht umsonst hat das Hörbuch 545 Minuten zu bieten. Lebensläufe von Nebenfiguren fließen als unterhaltsames Beiwerk mit ein. Autor Arne Dahl legt viel Wert auf Details, Vollständigkeit, mag es Leser und Zuhörer lange Zeit im Unklaren zu lassen. Die Spuren setzen sich nach und nach wie ein Puzzle zusammen. Sprecher Till Hagen beweist viel Feingefühl für die knifflige Story. Am Anfang ähneln die Machtkämpfe zwischen den Zuständigen am Fundort einem Bühnenschauspiel. Humor und Schadenfreude fließen mit ein. Die Spurensuche muss ausgeweitet werden. Vielfraßkacke wird zum interessanten Untersuchungsobjekt. Klar ist allen Ermittlern, dass hier nichts normal ist. Chronische Inkontinenz, Übergewicht, auch Sonderermittler haben es mit ganz alltäglichen Problemen zu tun. Interessant wird der Krimi durch Handlungswechsel und den geheimnisumwitterten Professor, der „das Blatt seines Lebens umgedreht und so getan hat als wäre es weiß.“ Ein Tagebuch entführt zurück in die Zeit unbegreiflicher Verbrechen. Durch den geschichtlichen Hintergrund wird „Tiefer Schmerz“ zu etwas Besonderem. Die Auflösung ist überraschend. „Nicht einmal die Mörder sind sich gleich.“

Auf dem Cover ist eine Hetzjagd zu sehen. Eine Frau flieht durch einen dunklen Tunnel. Passender wäre es gewesen, einen Mann darzustellen, da die Geschichte mit einem männlichen Opfer beginnt. Angst und Bedrohung lassen sich erahnen. Der Titel ist passend zur Geschichte ausgewählt und wirkt Geheimnis umwittert. Auch wenn dieser Krimi nicht durchweg spannend und temporeich aufgebaut ist, so hat die Geschichte doch etwas Faszinierendes. Es geht darum, mitzurätseln und die Zusammenhänge herauszufinden. Die Ninja-Femenistin als Charakter bietet einen zusätzlichen Reiz. Sie ist lautlos, unglaublich schnell, Kampf erfahren und wirkt unbesiegbar. Welche Gründe stecken hinter den einzelnen Morden? Wie ist es, wenn der eigene Name auf einer Todesliste immer weiter nach oben klettert? Todesangst, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit lassen sich nur erahnen. Die geschichtliche Seite des Krimis berührt. Der Schrecken von damals ist nicht in Worte zu fassen.

 

Unsere Bewertung:

Sprecher:
Handlung:
Charaktere: (3,5)
tech. Umsetzung:
Cover:
Emotion: (3,5)
 
22 Punkte = Hörspaß

Cover: © steinbach sprechende bücher

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