Lang sind die Schatten
Written by Martina Ernst |
 
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„Lang sind die Schatten“ ist der zweite Sauerlandkrimi mit Kommissarin Inka Luhmann und ihrem Team. Die Sonderkommission „Stockcar“ bekommt es mit einem Täter zu tun, der nichts mehr zu verlieren hat. Ein Mörder hat sein Opfer ausgerechnet im Siegerauto eines Stockcarrennens deponiert. Motiv und Leichenfundort geben den Ermittlern Rätsel auf. Spuren führen zu einem alten Fall, in dem Inkas Mann Kommissar Hendrik Luhmann ermittelt hat. Zeit, das Schweigen zu brechen. Dann geschieht ein zweiter Mord.

Der Beginn des Krimis mit dem Stockcarrennen ist ein origineller, sehr gelungener Schachzug. Lange Zeit tappen die Ermittler im Dunkeln und kommen nur langsam voran. Das Ermittlerteam ist aus den verschiedensten Charakteren zusammen gewürfelt, die für Unterhaltung sorgen. Besonders der mürrische Sturkopf Pfeil bringt mit seiner direkten, ungeduldigen Art Schwung in die Geschichte. Eine Szene in einer Bar führt in die Irre. Die Beziehung zwischen Inka und ihrem Ehemann Hendrik, genannt Henne, spielt neben den Ermittlungen eine weitere große Rolle und sorgt des Öfteren für Überraschungen und Zündstoff. In Handlungswechseln taucht immer wieder der Täter als „Er“ auf. Der namenlose Mörder nimmt Spannung raus, weil er scheinbar kein ebenbürtiger Gegner ist. Andererseits sorgen zufällige Begegnungen und die Emotionen des Täters für Unterhaltung. Die Liebe zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte. Einmal auf Seiten des Täters und einmal auf Seiten der Ermittlerin.

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Die Nerven liegen immer mehr blank. „Lang sind die Schatten“ erweist sich als ungewöhnlicher Krimi, der seine Stärken besonders aus den Charakteren zieht. Nicht immer ist das Verhalten nachvollziehbar, z.B. bei der Freundin des Mörders. Auch das Motiv hinkt am Ende sehr. Das Milieu des ersten Opfers bringt Spannung in die Geschichte. Es kommt zu einer unvorhersehbaren brenzligen Situation. In diesem Krimi lernt der Leser und Zuhörer Kommissarin Inka Luhmann von verschiedenen Seiten kennen. Der außergewöhnliche Einblick ins Private erhöht den Unterhaltungswert. Stärken und Schwächen machen sie sympathisch. So manch hirnrissige Aktion bringt Humor mit ins Spiel. Die eventuelle Hochbegabung von Inkas und Hendriks Tochter wird zur interessanten Nebengeschichte. „Es ist alles da. Du musst es nur finden.“ Inkas Kombinationsgabe ist in dem schwierigen Fall des Serienmörders gefragt. Wer steht noch auf seiner Liste? Die Jagd nach dem Täter kommt auf Hochtouren. Das Tempo nimmt zum Showdown hin zu. Ein bisschen zu wenige Gefahren, ein bisschen zu wenig Rätsel. Sprecherin Vera Teltz holt aus der Geschichte alles heraus und fühlt sich in Figuren und Szenen perfekt ein. Die Frauenstimme passt zur Kommissarin und dem Krimi. Trotz kleiner Mäkeleien bei den Feinheiten ein gelungener Nachfolger von „Kalt geht der Wind“.

Das Cover wirkt gefährlicher und mysteriöser als es die Geschichte ist. Der Titel zeugt von Kreativität und gibt einen Hinweis auf den Inhalt des Krimis. Am Ende eine gelungene Kombination, die Aufmerksamkeit erregt. Der Einstieg in die Krimiserie gelingt auch ohne Vorkenntnisse aus dem ersten Band. Es fällt leicht, Fan der Kommissarin und ihres Teams zu werden. Die verschiedenen Befindlichkeiten der Charaktere stehen in diesem Krimi ungewöhnlich stark im Vordergrund. Es entsteht ein bisschen der Eindruck, dass es sich um einen Frauenkrimi handelt. Für Krimifans eine interessante, unterhaltsame Abwechslung.        

 

Unsere Bewertung:

Sprecher:  (4,5)
Handlung: 
Charaktere:  (4,5)
tech. Umsetzung:
Cover:
Emotion:
 
25 Punkte = Ohrenschmaus

Cover: © tacheles!

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