Tony Parsons: Dein finsteres Herz
Written by Katharina Pütz |
 
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Das Böse wächst in Eliteschulen. In Internaten. In diesem ganz besonderen Mikrokosmos, der schon viele Autoren, Schriftsteller und Drehbuchschreiber dazu verführt hat, die Produkte ihrer Phantasie an diese oftmals etwas absonderlichen Bildungseinrichtungen dieser Welt zu verlegen. Sie sind umgeben von Mythen, von Geheimnissen, von Dünkel und Intrigen. Welcher Schauplatz eignet sich da besser für kriminelle Schauergeschichten?
 
Und so ist die Ausgangssituation in „Dein finsteres Herz“ von Tony Parsons nicht neu. Männer werden umgebracht. Einer nach dem anderen. Auf widerwärtige, brutale Weise. Schnell stellt sich heraus: Diese Männer haben sich einst im Internat kennengelernt. Waren eine dieser verschworenen Cliquen. Und begingen Straftaten. Alles andere als Kavaliersdelikte.
 
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Für seinen ersten Kriminalroman hat Tony Parsons – der sonst eher für seine Romane über Sex, Liebe und alleinerziehende Männer bekannt ist – den Ermittler Max Wolfe ersonnen. Er ist Vater einer Tochter, liebevoll und knallhart, hat einen Hund, trinkt zu viel Kaffee und treibt viel Sport. Und das ist eine der Schwächen der Handlung: Zwar ist die Figur des Ermittlers grundsätzlich stimmig, aber die vielen privaten Nebenschauplätze, die ihn umgeben, sind des Guten zu viel.
 
Um zu ergründen, warum die Männer ermordet werden, begibt sich Wolfe nach und nach in das Dickicht des schulisch-elitären Lebens, in die Tiefen des Internets, die Hinterhöfe Londons – und die Schatten der Vergangenheit. Hier und da gibt es kleinere Ungereimtheiten, aber auch ein paar lustige Schikanen. Mit der Brutalität und der detailreichen Beschreibung so mancher Abartigkeit übertreibt Parsons es an manchen Stellen, schon der Beginn ist nichts für Zartbesaitete. Jene, die viel Blut in üppiger Beschreibung wenig abgewinnen können, sollten „Dein finsteres Herz“ nicht in ihren CD-Player legen.
 
Besser als die Handlung ist der Erzähler, Dietmar Wunder. Spritzig, drastisch, kalt, hart – Wunder holt all das an Nuancen und Facetten aus seiner Lesung heraus, was die Handlung von ihm fordert. Die deutsche Stimme von 007-Daniel-Craig (seit „Casino Royale“) und Cuba Gooding jr. ist ein Hörgenuss und rettet über die bereits erwähnten Schwächen hinweg.
„Dein finsteres Herz“ erinnert an Jussi Adler Olssons „Schändung“, hat aber insgesamt nicht die Klasse des düsteren Bestsellers aus dem Norden Europas. Interessant ist die Aussage Parsons, den Krimi geschrieben zu haben, weil sich die gesellschaftliche Situation in Großbritannien merklich verändert habe. Laut des Autors entscheiden Herkunft, Ausbildung und das Elternhaus wieder zunehmend, welchen Weg ein junger Mensch in der Gesellschaft einschlage. Die Initialzündung für „Dein finsteres Herz“. Der Premiere mit Ermittler Max Wolfe sollen (mindestens) zwei weitere (Hör)Bücher folgen.
 

Unsere Bewertung:

Sprecher: (4,5)
Handlung:
Charaktere:
tech. Umsetzung: 
Cover:
Emotion: (3,5)
 
21 Punkte = Hörspaß

Cover: © Lübbe

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