Lars Kepler: Ich jage Dich
Written by Ulrike Stiefelhagen |
 
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Mitreissender Krimi, blasse Kommissarin: Der bisherige Ermittler der Serie, Joona Linna, taucht zunächst als Leerstelle auf, die von seiner Nachfolgerin im Amt, Margot Silvermann, schwanger, nicht mit Leben gefüllt werden kann. Margot Silvermanns gesamtes Team wirkt seltsam vereinzelt: Sie selbst, Joona Linna, Adam, und der polizeinahe Psychiater Erik ermitteln gefühlt jeder für sich.

Ein Stalker filmt seine Opfer, ermordet und drapiert ihre Leichen. Doch welchem Muster folgt er bei seinen brutalen Blutbädern? Was ist wichtig, was unwichtig? Über weite Strecken leitet Lars Kepler seine Hörer erfolgreich auf Umwege, lenkt ab, stellt Hypnosetherapie in Frage und Drogensucht in den Mittelpunkt.

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Dennoch habe ich „Ich jage Dich“ gerne gehört. Kepler führt uns durch ein modernes, unromantisches Schweden. Mögen die Ortsnamen noch idyllisch klingen, die Einfamilienhäuser werden zur bedrohlichen Falle, in der die Opfer wie auf dem Präsentierteller vom Täter ausgespäht werden. Die Verbindungen zum post-religiösen, zum Sucht- und Psychiatrie-Milieu verstärkt diese öde Sicht – auch wenn keiner der Handelnden an der sonst im Skandinavien-Krimi vorkommenden Melancholie leidet. Die Orte und Begegnungen sind spannend, machen neugierig darauf, wie die Geschichte weiter geht.

Und eigentlich würde ich auch sehr gerne wissen, wer diese neue Ermittlerin ohne wirkliche Tiefen, Margot Silvermann, denn nun eigentlich ist! Selbst Eriks Freundin die Klavierspielerin hat mehr Eigenleben. Während man über Margot Silvermann kaum mehr als „schwanger“ berichten kann, bleibt Joona Linna spürbar der Liebling des Autorenduos mit dem Pseudonym Lars Kepler.

Damit am Ende der Fall doch gelöst wird, ziehen Alexandra und Alexander Ahndoril (aka Lars Kepler) ein Kaninchen aus dem Hut. Zeitgleich mit der gelüfteten zweiten Identität des Täters steigt das Tempo der Handlung deutlich an, so dass kaum Zeit bleibt, sich über diese unmotivierte Wendung zu ärgern. Die Jagd nach dem brutalen Serienkiller endet mit einem Showdown um Leben und Tod auf einer Industriebrache. Hier führen die Ahndorils auch die zur Steigerung der Spannung zersplitterten Wege der Ermittler wieder in eine einheitliche Perspektive zusammen. Dies ist ein sehr bewusst konzipierter skandinavischer Krimi, der die Bedürfnisse seiner Genreleserschaft durchaus befriedigt. Story super, Figuren naja, kein Meisterwerk. Eher ein Jussi-Adler Olsen oder eine Liza Marklund als ein Arne Dahl oder Hakan Nesser.

Wolfram Koch, die Stimme unzähliger skandinavische Krimis, glänzt allerdings auch hier wieder. Melodisch, tief und satt liest er ein Kapitel nach dem anderen. Könnte ja eigentlich langweilig sein? Ist es aber nicht! Ohne seine warme Stimme wäre „Ich jage Dich“ Fließbandware.

 

Unsere Bewertung:

Sprecher:
Handlung:
Charaktere:
tech. Umsetzung:
Cover:
Emotion:
 
17 Punkte = Durchschnitt

Cover: © luebbe audio

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