Jussi Adler-Olsen: Verheissung. Der Grenzenlose
Written by Katharina Pütz |
 
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Siebzehn Jahre ist es her, dass die junge Alberte unter mysteriösen Umständen ums Leben kam. Siebzehn Jahre versuchte Kommissar Christian Habersaat, den Fall zu klären. Und scheiterte. Habersaat trifft daraufhin eine folgenschwere Entscheidung. Wenig später ist er tot und Carl Mørck am Zug. Gemeinsam mit seinen Kollegen Assad und Rose vom Dezernat Q widmet er sich – zunächst widerwillig – dem alten Fall.
 
Die Recherchen führen das Team auf die Insel Bornholm. Im Haus des toten Kollegen Habersaat ist jeder Winkel vollgestopft mit Material über das Leben und Sterben von Alberte,  Mørck und Co. entdecken eine Vielzahl von Spuren.
Atu Abanshamash Dumuzi ist ein mächtiger Mann. Er sieht gut aus, reihenweise werfen sich ihm die Frauen vor die Füße, er ist schlau, clever, egoistisch. Und er hat eine Vision: Die Welt nach seinen Präferenzen zu gestaltet, die Menschen so zu leiten, dass sie leben, wie er es sich vorstellt. Auf der schwedischen Insel Öland hat er dafür die „Akademie für die Vereinigung von Mensch und Natur“ gegründet. Ihm folgen seine Jünger, vor allem Frauen, und insbesondere Pirjo. Seine rechte (und manchmal auch linke) Hand.
Nach und nach fügen sich die beiden Handlungsstränge in Jussi Adler-Olsens sechstem Thriller um das Dezernat Q zusammen. Carl Mørck und seine Kollegen, der aus Syrien stammende Assad, der gerne grenzwertige Heißgetränke braut und Schwierigkeiten mit der dänischen Sprache hat, aber gutgelaunt und überlegt agiert, und Rose, die etwas konturlose Power-Frau, die wenig Persönliches preisgibt, aber die Ermittlungen immer wieder gezielt vorantreibt, brauchen allerdings eine Weile, bis ihnen das klar ist.
 
 
 
Wer „Verheissung“ als erstes Werk von Adler-Olsen hört, kann den Hype, der um den Dänen gemacht wird, vielleicht nicht ganz nachvollziehen. Zwar kommt während der doch sehr langen Hörzeit von 1.102 Minuten nicht unbedingt Langeweile auf, aber die Geschichte ist auch nicht derart spannend, dass man nächtelang weiterhören muss. Nach einer Weile des Einfindens in die Umstände rund um die Geschehnisse auf Bornholm und Öland fügen sich die einzelnen Puzzleteile recht schnell für den Hörer zusammen, während Mørck und sein Team noch (immer) auf der Suche nach Anknüpfungspunkten sind.
 
Ausgezeichnet ist die Interpretation von Wolfram Koch, der das Hörbuch – erschienen im Audio-Verlag – liest. Koch ist so entspannt und zugleich in der Intonation immer genau richtig, dass es eine Freude ist, ihm zuzuhören. Der Schauspieler, der jüngst seine Premiere als Frankfurter Tatort-Kommissar feierte, vermag es, den Hörer durch die vielen Stunden zu leiten und ihnen angenehm ins Ohr zu kriechen.
Adler-Olsens Geschichte zeichnet eine klare Sprache, eine passable Struktur und der Stempel „gute Unterhaltung“ aus – man hört immer wieder gern zu, gefesselt ist man jedoch nicht. Eingefleischte Carl-Assad-Rose-Fans werden sich vermutlich auch an Fall Nummer sechs erfreuen, Krimi-Liebhaber, die Adrenalinprickeln und knisternde Krimi-Spannung erwarten, kommen nicht auf ihre Kosten.
 

Unsere Bewertung:

Sprecher:  
Handlung:
Charaktere:
tech. Umsetzung:
Cover: (2,5)
Emotion:
 
18,5 Punkte = Rohdiamant

Cover: © DAV