Alex Lake: Es beginnt am siebten Tag
Written by Martina Ernst |
 
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Hinter dem Pseudonym „Alex Lake“ verbirgt sich ein britischer Autor, der in den USA lebt. „Es beginnt am siebten Tag“ ist sein Krimi-Debüt. Ein Vermisstenfall stellt alle vor ein Rätsel.

Rechtsanwältin Julia trifft wegen eines länger dauernden Meetings zu spät vor der Schule ihrer Tochter ein. Die fünfjährige Anna ist spurlos verschwunden. Eine verzweifelte Suche beginnt. Bald spricht alles dafür, dass Anna entführt wurde. Ist sie in die Fänge eines Pädophilen geraten? Die Spekulationen nehmen zu.

 

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Der Prolog wartet mit einer seltsamen, persönlichen Ansprache auf. Der Zuhörer gerät in die Rolle des Täters. „Sie gehört jetzt dir, jetzt und für immer.“ Die Verachtung des Täters für die unachtsamen Eltern und Menschen im Allgemeinen wird greifbar. Er will Macht ausüben. Wie weit geht seine Kaltblütigkeit? Die Geschichte konzentriert sich auf die Mutter. Mit Annas Verschwinden gerät sie in einen Strudel aus Verzweiflung. Die resolute Schwiegermutter setzt ihre genauso zu, wie Ihr Noch-Ehemann Brian, mit dem sie kurz vor der Scheidung steht, und penetrante Reporter. Das langsame Erzähltempo bremst die Spannung aus. Annas Schicksal gerät durch den Focus auf die Emotionen und Streitigkeiten der Eltern in den Hintergrund. Julias Bild in der Öffentlichkeit wandelt sich in das der Monstermutter. Wer versorgt die Medien mit falschen Informationen? Über lange Strecken kommt kein Krimiflair mehr auf. Das Potential der eigentlich effektvollen Basisidee, eine Kindesentführung, die anders ausgeht, als jeder vermutet, wird verschenkt.

Sprecherin Nicole Engeln versucht, aus der Vielzahl von Dialogen das Beste herauszuholen. Die Schwächen der Geschichte kann auch sie nicht übertünchen. Nicht jede Reaktion der Akteure ist nachvollziehbar. Julia als erfolgreiche Rechtsanwältin agiert nicht trickreich und überlegt. Auch sucht sie sich viel zu spät Hilfe und lässt bei der Wiedergabe der Ereignisse wichtige Dinge aus. Seitenhiebe auf vorurteilbehafte Mitmenschen, Hetzjagd in sozialen Netzwerken und die Macht der Medien nehmen unnötig viel Raum ein. Der Täter kommt spät zurück ins Spiel, wieder in der ungewöhnlichen Erzählperspektive. Was ist sein Motiv? Die Auflösung stellt nicht zufrieden. Das Ganze ist einfach zu weit hergeholt. Viel Gerede, wenig Action. Das Ende zieht sich in die Länge.

Der Titel hat Ausdruckskraft und wirkt anziehend. Die Coverszene lässt Schlimmes erahnen. Beides steigert die Erwartungen auf eine fesselnde Geschichte. Leider kann der Inhalt nicht mithalten. Zwei Mal verschiebt sich der Schwerpunkt des Krimis in die falsche Richtung. Mitfiebern fällt selbst in brenzligen Situationen schwer. Ein Highlight bleibt, dank der Sprecherin, ein entzückendes Mädchen.  

 

 

Unsere Bewertung:

Sprecher: (3,5)
Handlung: 
Charaktere:
tech. Umsetzung: 
Cover: (4,5)
Emotion:(2,5)
 
18,5 Punkte = Rohdiamant

Cover: © Luebbe