S. K. Tremayne: Eisige Schwestern
Written by Adriane Haussmann |
 
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Stell dir vor, dein Glück ist perfekt! Eine glückliche Ehe, gute Jobs und als Krönung des Glücks zwei wundervolle, gesunde Kinder. Wie kann man da denn nicht glücklich sein? Doch da schlägt das Schicksal gnadenlos zu.

Sarah und Angus versuchen den Alltag aufrecht zu erhalten, an ihrer Ehe festzuhalten und ihrer überlebenden Tochter ein normales Leben zu bieten. Doch die beiden sind psychisch am Ende,  denn ihre beiden Kinder waren eineiige Zwillinge. Das heißt, wenn sie ihre überlebende Tochter nach dem tragischen Unfall anschauen, sehen sie nicht nur sie, sondern gleichzeitig immer den Verlust. Wie soll man damit klarkommen? Auch ihre Tochter scheint sich das langsam zu fragen und behauptet plötzlich der verstorbene Zwilling zu sein. Haben sich die Eltern bei der Identifizierung wirklich geirrt?

 

Science fiction 6

 

„Eisige Schwestern“ benötigt keinen langen Vorlauf. Wir starten direkt in den Monaten nach dem Unfall. Die Eltern sind am Ende, beruflich läuft es nicht mehr und man versucht irgendwie zurecht zu kommen. So ganz wird man zu Beginn noch nicht schlau daraus, was denn geschehen ist. Wir wissen nur, dass ein Zwilling bei einem Unfall verstorben ist.

Eine unerwartete Erbschaft scheint die Lösung und wir als Zuhörer, die bereits Erfahrungen mit Thrillern haben, ahnen bereits bei der Beschreibung der neuen Bleibe, dass dort mit Sicherheit nicht der gewünschte Friede gefunden wird. Als dann das überlebende Kind auch noch behauptet die eigentlich tote Schwester zu sein, beginnt ein psychotisches Spiel. Die Eltern vertrauen sich nicht und sind nicht mehr ehrlich zueinander. Mit jedem Zwischenfall entfernen sich die beiden mehr.

Um die Spannung aufrecht zu erhalten, wird die Geschichte ab jetzt aus zweierlei Sichtweisen erzählt. Wir hören zum einen Sarah, die Beweise für oder gegen ihren Mann sucht und wir hören Angus, wie er das Verhalten Sarahs beschreibt, wie er die Dinge sieht und welche Theorien er aufstellt. Mit fortlaufender Erzählung unterscheiden sich die beiden Sichtweisen zunehmend. Langsam weiß man als Zuhörer nicht mehr, wem man von beiden trauen soll. Wer sieht die Dinge richtig? Und die Figuren fangen langsam an Risse zu bekommen. Auch für uns als Zuhörer wird es zunehmend schwer den beiden Protagonisten zu folgen und sie zu verstehen. Irgendwie fehlen Hintergrundinformationen.

 

Ein aufziehender Sturm bildet den erzählerischen Höhepunkt in dem sich alles zuspitzt und zugleich ist das auch der Tiefpunkt der Geschichte. Während von CD zu CD das Konstrukt strategisch aufgebaut wird, steigert das auch die Erwartungen. Welches Kind ist tatsächlich gestorben? Was quält die Eltern in Wirklichkeit? Man erwartet Antworten. Doch die Antworten, die dann folgen, wirken an den Haaren herbeigezogen, zu konstruiert, und der Zuhörer bleibt mit viel zu vielen Fragen zurück.

Eine Wiedergutmachung bietet der Epilog, der durch Sprecherin Vera Teltz durch Mark und Bein geht, sie ist es auch, die durch ihre kühle Stimmlage der Geschichte immer wieder Gänsehautmomente verleiht.

„Eisige Schwestern“ ist ein guter Thriller, der zu unterhalten weiß. Wer nicht für alles Antworten möchte und sich auch mit einem offenen Ende anfreunden kann, wird hier auf gute Spannungslektüre treffen, die bis auf wenige Schwachstellen durchdacht konzipiert wurde.

 

Unsere Bewertung:

Sprecher:
Handlung:
Charaktere: 
tech. Umsetzung: 
Cover: 
Emotion: 
 
23 Punkte = Hörspaß

Cover: © argon