Susanne Mischke: Töte, wenn Du kannst!
Written by Martina Ernst |
 
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Die Tochter von Leander und Tinka Hansson, Lucie, wird in einem kurzen, unbeobachteten Moment in einer Markthalle entführt. Trotz regen Treibens scheint niemand etwas gesehen zu haben. Die Eltern verzweifeln. Es gibt keine Lösegeldforderung. Ist die Entführung spontan abgelaufen oder hatte es jemand auf Lucie abgesehen? Greger Forsberg und Selma Valkonen stehen vor einem Rätsel. Vier Jahre später findet Leander einen anonymen Brief in seiner Post. Wenn Leander Informationen zu Lucies Aufenthaltsort erhalten will, soll er einen Mord begehen. Ein übles Spiel beginnt. Lucies Eltern wollen die Polizei nicht einschalten. Können sie den Unbekannten austricksen und ihre Tochter zurückholen?

 

Die Entführung eines Kindes erregt die Gemüter. Es kann jeden Tag auch in der Realität passieren, das macht die Geschichte so ergreifend. Am Anfang durchschaut man die verschiedenen Handlungsstränge nicht so recht. Wo liegt die Verbindung zwischen den Personen? Der Fall ist in größere Verwicklungen versponnen als gedacht. Kommissar Greger Forsberg lässt die Entführung nicht mehr los, weil auch seine Tochter Anika nach dem Tod der Mutter verschwunden ist. Bei jeder Leiche, die auftaucht, begleitet ihn die Angst, es könnte seine Tochter sein. Es geht um Missbrauch, pädophile Neigungen, verschmähte Liebe, Affären. Selma Valkonen unternimmt ihre Ermittlungen gerne im Alleingang. An der Stimmfarbe kann sie erkennen, ob ihr Gegenüber lügt, die Wahrheit sagt, etwas verheimlicht oder unter Druck steht. Ein interessantes Detail, das immer wieder zum Einsatz kommt. Selma und Greger sprechen sich bei den Ermittlungen kaum ab, empfinden aber Respekt füreinander. Eine merkwürdige Art der Polizeiarbeit, die trotzdem den Fall voran bringt.

Profisprecher Uve Teschner kann sich in der Geschichte nicht so recht austoben. Besonders der Anfang leidet unter einer schwermütigen Stimmung, die zwar zur bewegenden Geschichte passt, aber keine fesselnde Atmosphäre erzeugt. Es gibt keine durchweg anhaltende oder steigende Spannung. Zum Schluss bei der Aufklärung wird es erst interessant. Die zahlreichen Fäden führen langsam zusammen und jede Person findet in diesem Krimi ihren Platz. Sympathien erlangt Selma durch ihr Jagdfieber und kluge Lösungsansätze. Sie gibt ihrem Bademantel einen Namen, was für Belustigung sorgt. Greger Forsberg erregt eher Mitgefühl wegen seiner weggelaufenen Tochter und der dadurch entstanden schweren Last, die er zu tragen hat. Originell ist der Einsatz von Tieren für die Einordnung von Charakteren. Selma ist ein Vogel. Dann gibt es noch einen Geier und Löwen. Eines der wenigen humorigen Details, die für Auflockerung und Unterhaltung sorgen. Aus der Entführung und miesen Erpressung hätte man eine Geschichte mit wesentlich mehr Feuer und Anspannung machen können. So bleibt sie zu lange undurchsichtig und ruht sich auf einem zu langsamen Tempo aus.

Das Cover mit einem Raben und einer roten Beere im Schnee verbreitet eine mystische, geheimnisvolle Stimmung. Im Innenteil sitzt ein Kind allein auf einem Fels und schaut aufs Meer. Die Gestaltung stimmt perfekt auf einen Krimi ein. Der Titel macht den Zwiespalt deutlich, in dem sich die Eltern von Lucie befinden. Kurz, prägnant, ansprechend. Susanne Mischke Fans werden diesen Krimi nicht verpassen wollen. Die Frage, wie weit ein Mensch in Bedrängnis geht, um sein Kind zurückzubekommen, ist jedenfalls sehr interessant. Sie regt an, darüber nachzudenken und die Situation selbst durch zu spielen.

 

Unsere Bewertung:

Sprecher : 

Story: 

Aufbau:

Atmosphäre:

14 Sterne = gut gelungen

Cover: © DAV

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