O. Welter/ M. Gantenberg: Kalt geht der Wind
Written by Martina Ernst |
 
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Eigentlich ist das Angeln in der Schonzeit verboten, aber wer einen echten Waller haben will, schert sich nicht darum. Statt eines Fisches ziehen die beiden Männer einen leblosen Frauenkörper aus dem Wasser und türmen. Kommissarin Inka Luhmann ist vom Anblick der Leiche am Ufer entsetzt. „Nicht sehen, nicht hören, nichts sagen.“ Was haben die Nähte an Augen, Mund und Ohren zu bedeuten? Der Hinweis auf die drei Affen liegt nah. Das Opfer hat kurz vor seinem Tod Unsummen für ein ausgeklügeltes Sicherheitssystem ausgegeben und die Wohnung geradezu mit den neuesten Vorrichtungen verbarrikadiert. Aus reinem Schutz oder purer Angst? Wage Spuren führen ins Nichts und dann geschieht ein neuer Mord.

 

„Kalt geht der Wind“ packt den Zuhörer von der ersten Sekunde an. Dabei wechselt die Spannung im ersten Teil zu amüsanten, sehr unterhaltsamen Szenen und geht wieder in Spannung über. Zwei Handlungsstränge sorgen für fieberhaftes Miträtseln. Der Täter lässt sich in keine Schublade stecken, ist äußerst gefährlich und lässt sich nicht aufhalten. Im Verlauf der Geschichte wird die gestörte Persönlichkeit immer deutlicher. Ein ums andere Mal kriegt man harmlose Begegnungen zwischen Täter und Polizisten mit. Das erzeugt Gänsehaut. Man kennt lange Zeit nur das Geschlecht und nicht die Person oder Hintergründe der Taten. Ein kluger Schachzug des Autorenduos Oliver Welter und Michael Gantenberg. Michael Gantenberg war Radio- und TV-Moderator und schrieb für verschiedene Krimireihen wie „Unter Verdacht“. Oliver Welter arbeitete als Autor für TV-Serien wie „Alles was zählt“ und die Krimiserie „Morden im Norden“. Zwei Profis am Werk, die sich in diesem Krimi leidenschaftlich austoben. Am Anfang sorgt der Neuwagenkauf von Inkas Mann für beste Unterhaltung. Eine gelungene Auflockerung der Geschichte. Ein Highlight ist Hund Böse, der auch noch eine wichtige Rolle spielt.

Sprecherin, Theater-, Film- und Fernsehschauspielerin Meike Droste startet zu Beginn etwas holprig, findet sich aber schnell in die rätselhafte Story ein und verstärkt dann Emotionslagen und Atmosphäre. Die Kälte des Täters wird deutlich, Planung und Perfektionismus wirken beängstigend. Es geht um das Gefühl der Macht, die Opfer sollen leiden. „Blutende Menschen sehen so hilfsbedürftig aus und unschuldig.“ Beklemmend! Man erfährt, was eine Reviermücke ist, ein leerer Tank im ungünstigsten Moment bedeutet und ein dummer Zufall auslösen kann. Kein Krimi nach Schema F, dafür eine ausgeklügelte Story mit Überraschungen. Einmal reagieren die Kommissarin und ihre Kollegin nicht nachvollziehbar, aber dass lässt sich bei der Klasse dieses Krimis leicht verschmerzen.

Das Cover mit der dunklen einsamen Silhouette wirkt bedrückend. Manchmal sollte man nicht in der Vergangenheit herumstochern. Es kommen nur düstere Geheimnisse zu Tage. Mit 7 Stunden und 13 Minuten Länge ein besonderes Krimihörvergnügen. Ein bisschen Luft nach oben ist noch. Die Zusammenarbeit zwischen Oliver Welter und Michael Gantenberg klappt perfekt. Inka Luhmann, Hausmann und Hund haben bleibenden Eindruck hinterlassen. Das nächste Hörbuch der Reihe wird mit prickelnder Neugierde erwartet. Gerne wieder diese unschlagbare Mischung aus Spannung und Humor!

 

 

Unsere Bewertung:

Sprecher :

Story:

Aufbau:

Atmosphäre:

17 Sterne = hervorragend

Cover: © tacheles

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