Jodi Picoult: 19 Minuten
Written by Adriane Haussmann |
 
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Es sind 19 Minuten, die alles verändern. Schüsse verdrängen den Schulalltag, zerstören Familien und nehmen Leben. Peter Houghton läuft Amok. Sein Leben lang wurde er drangsaliert und gehänselt, jetzt nimmt er Rache.

Jodi Picoult behandelt in ihrem Buch 19 Minuten ein sehr heikles Thema. Amokläufe haben sich in den vergangenen Jahren immer häufiger ereignet, immer mehr Menschen erleben es, wenn man in der Schule um sein Leben bangen muss. Wenn man sieht wie Mitschüler vor den Augen niedergeschossen werden, die Schüsse fallen hört, Schreie, Angst, Panik…

Was folgt sind Schlagzeilen und Sendebeiträge, es scheint für wenige Tage liege der Tatort im Mittelpunkt der Welt. Danach? Danach vergisst die Welt es wieder, doch die Erinnerungen und Erlebnisse der Betroffenen können nicht einfach vergessen werden, sie werden ein Leben lang von ihnen begleitet werden.

 

Im Hörverlag erschien am 19. Juni nun das Hörbuch, 8 CDs, die in über 580 Minuten einen Amoklauf schildern, aber auch die Folgen und vor allem wie es so weit kommen konnte. Gekonnt gibt Jodi Picoult dem Täter ein Gesicht, eine Identität und nimmt ihm die Maske des reinen Monsters. Wir lernen eine Welt voll Angst kennen. Angst am nächsten Tag in die Schule gehen zu müssen, Angst zu enttäuschen, Angst vor den Träumen, die einen nachts heimsuchen.

Behutsam zeigt Jodi Picoult ein Psychogramm des Amokläufers auf. Erzählt die Geschichte der Opfer, der Überlebenden und auch der Eltern von Peter.

Die Rollen des Buches sprechen verschiedene Leser, wodurch man nie durcheinander kommt und jede Rolle einen richtigen Charakter erhält. Tom Schilling liest schüchtern und fast zerbrechlich den jungen Peter. Josies Stimme, eine Überlebende des Massakers, klingt jung und unschuldig und manchmal fast ein wenig zu schnell, aber dennoch freundlich und aufgeweckt, wenn auch stellenweise etwas unsicher.

Ihre Mutter Alex, die als Richterin den Fall übernimmt, Peters Mutter Lacy sowie der Verteidiger und ein Polizist erhielten ebenfalls einzelne Stimmen und schildern ihren Teil der Geschichte. Zusammen ergeben ihre Erzählungen ein Bild und lassen den Hörer miterleben wie aus einem kleinen Jungen schließlich ein Mörder wird.

Es ist erschreckend wie gebannt man zuhört, wie man spürt wie man Mitleid mit dem jungen Peter hat, doch nicht für den Amokläufer. Die Personen erhalten zwei Gesichter – das vor und das nach der Tat. Wir befinden uns aus den Spuren einer Seele, die so verletzt wird, dass sie nicht einmal mehr schreien kann.

Aber nicht nur Peter, sondern auch Josie steht im Mittelpunkt der Geschichte. Opfer und Täter, die einst befreundet waren, stehen sich gegenüber und am Ende muss man mit einem Schauer feststellen wie ähnlich sich doch beide sind.

Trotz der langen Laufzeit verläuft sich die Story in keiner Sackgasse, sondern kann den roten Faden gespannt halten und ihn unaufhörlich verfolgen, trotz vieler Nebengeschichten, die der Tat immer mehr Hintergrund einräumen. Niemand wird verurteilt und es werden viele Gesichtspunkte angesprochen. Hier steht nicht eine blutige Tat im Zentrum, sondern die Frage wie eine Seele zu so etwas fähig werden kann.

19 Minuten ist ein Hörbuch, das zum Nachdenken anregt und nicht einfach auf den Zug der aktuellen Geschehnisse aufspringt. Guten Gewissens sollte man es weiterempfehlen und sich die Zeit nehmen auch fast 10 Stunden ins Hören zu investieren. Aber es lohnt sich und die Zeit wird schneller vergehen als man zu Beginn erahnen konnte, denn die Neugier treibt voran und der Schluss lässt einen erschauern.

 

Zitat: © 19 Minuten/ Cover: © Der Hörverlag

 

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