Kirsten Boie: Nicht Chicago. Nicht hier.
Written by Adriane Haussmann |
 
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Autorin Kirsten Boie wurde durch ihre eigenen Kinder und deren Freunde auf das Thema Mobbing aufmerksam und erschrak wie wenig man selbst oft dagegen tun kann. Erwachsene nehmen die Situation zu Beginn meist nicht ernst und die Polizei kann erst in härteren Fällen eingreifen. Doch was soll man als Betroffener tun?

Niklas ist gerade dreizehn Jahre alt als ein neuer Mitschüler in seine Klasse kommt. Die Lehrerin besteht darauf, dass sich Niklas mit dem neuen anfreundet und das gemeinsame Geschichtsreferat zeigt, dass die beiden gut zusammen arbeiten können. Doch was keiner ahnt ist, wie die wirkliche Beziehung der beiden aussieht.

Anfangs bewundert Niklas Karl. Karl ist anders als die Jungs, die er bisher kennt und es macht ihn ein wenig stolz als dieser mit zu ihm nach Hause kommt. Doch dann beginnt der Ärger. Eine CD verschwindet, das ausgeliehene CD-Laufwerk des Vaters wird nicht mehr zurückgebracht und auf einmal fehlen auch noch das Handy und Niklas‘ Hase.

Zuerst redet sich Niklas die Sache schön bis ihm selbst die Schuld in die Schuhe geschoben wird. Also versucht Niklas sich zu wehren und die Sache in die Hand zu nehmen, doch es wird noch schlimmer. Als er schließlich seine Eltern um Hilfe bittet, glauben die ihm erst kein Wort und auch die Lehrerin hält alles für ein Werk seiner Fantasie. Doch der Ärger hört nicht auf….

Erst als Niklas zusammengeschlagen wird und der Telefonterror auch die Nerven der Eltern strapaziert, schreiten diese ein – doch erfolglos. Die Polizei ist machtlos.

 

Kinder- und Jugendbuchautorin Kirsten Boie schildert in „Nicht Chicago. Nicht hier.“ den typischen Weg eines Mobbingopfers. Dabei zeigt sie aber auch wie schwierig es ist aus der Opferrolle wieder herauszukommen ohne dabei selbst zum Täter zu werden.

Ihr Hauptcharakter Niklas erhält schließlich die Unterstützung seiner Eltern, doch die Behörden können dennoch nicht eingreifen und die Geschichte endet abrupt ohne Happy End oder mögliche Problemlösung. Leider ein häufiger Fall und keineswegs beabsichtigte Tragik, die das Hörbuch, das im Jumbo Verlag erschien, dramatischer wirken lassen soll.

 

Innerhalb zwei CDs und knappen 100 Minuten wird die Geschichte von Niklas mit zwei Sprechern (Philipp Baltus und Bernd Stephan) und musikalischer Untermalung erzählt. Dabei ist die Atmosphäre stets ein wenig unterkühlt und auch die Sprache sehr knapp und kurz gehalten.

Die Autorin selbst, die einen Kommentar im Booklet hinterlassen hat, erklärt, dass sie diese Umsetzung für am geeignetsten hielt. Auch ihr Titel hat einen tieferen Sinn. Denn die meisten Menschen denken, dass Mobbing ein Thema von Großstädten sei, doch Mobbing kann jederzeit und überall geschehen und genau darauf möchte „Nicht Chicago. Nicht hier.“ aufmerksam machen.

 

Ich persönlich finde die Herangehensweise an das Thema gelungen. Man erfährt bereits zu Beginn, dass der neue Mitschüler nicht so harmlos sein wird, wie es zunächst scheint. Und kann dann Schritt für Schritt miterleben wie dessen Taten gemeiner und Niklas‘ Verzweiflung immer größer werden. Die Schikanen und Hänseleien beginnen so wie wir sie alle schon einmal miterlebt haben und das ist das Erschreckende daran.

 

Unsere Bewertung:

Sprecher : 

Story: 

Aufbau: 

Atmosphäre: 

13 Sterne= gut gelungen

Cover: © Jumbo Verlag

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