Onkel Montagues Schauergeschichten
Written by Martina Ernst |
 
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Edgars Hunger nach Geschichten ist unersättlich. Zu gerne besucht er seinen Onkel Montagues, um wieder ein neues, schauriges Abenteuer zu hören. Edgar gibt sich stark und unbeeindruckt. Im dunklen Arbeitszimmer finden sich immer wieder interessante Gegenstände, zu denen Onkel Montagues etwas zu erzählen weiß. Bei diesem Besuch steigert sich das Grauen. Unheimliche Geräusche beunruhigen Edgar. Dass sein Onkel kein elektrisches Licht mag, macht die Sache nicht gerade besser. Edgars Neugierde ist trotzdem nicht zu bremsen, bis die Atemlosigkeit zunimmt und das Grauen seine mutige Fassade bröckeln lässt.

 

Alte Gemäuer, Flüche, Rituale, Gespenster, Gothic fiction lässt einen nicht los. „Onkel Montagues Schauergeschichten“ entwickelt von Anfang eine fesselnde, spannende Atmosphäre. Die mystische Musik von Frank Stehle leitet in die unheimliche Story ein. Der Ausklang wird mit passenden, gruseligen Geräuschen untermalt. Im Laufe des Hörbuchs klappt das immer schauriger. Eine klappernde Gartenschere, Axtschläge und Dämonenstimme erzeugen Gänsehaut. Findet man den Anfang schon unheimlich, stockt einem beim Zuhören immer mehr der Atem. Schauspieler und Erzähler Dietmar Mues setzt das Furcht einflößende Grauen perfekt um. Ein harmloser Beginn mit wichtigen Details schwenkt ins Entsetzliche. Jede einzelne Geschichte ist originell, immer wird ein Kind zum Opfer. Eine alte, von Respekt getragene Sprache erleichtert den Einstieg in eine andere Welt. Das Arbeitszimmer, in dem Onkel Montagues und Edgar sich größtenteils aufhalten wird atmosphärisch stark als lichtlose, enge Höhle, das schlagende Herz des Hauses, dargestellt. Je mehr Zeit vergeht, desto mehr spürt man fast den eigenen Herzschlag. Egal ob die Geschichte der alten Ulme, blinden, seltsamen Frau oder des verzierten Goldrahmens, Autor Chris Priestley weiß den Zuhörer zu packen. Ich-Erzähler Edgar erscheint so wunderbar naiv, will bis zum Schluss Vernunft walten lassen, dabei umgibt ihn schon das Grauen und streckt seine kalten Finger nach ihm aus. Die Lösung bleibt trotzdem eine Überraschung. Das Rätselhafte schwingt in jeder Zeile mit. Edgar stellt sich immer mehr Fragen und löchert Onkel Montagues mit seiner grenzenlosen Wissbegierde. „Onkel Montagues Schauergeschichten“ kommt ohne viel Blut aus. Es sind die Bilder, die automatisch im Kopf entstehen. Es braucht einen erstklassigen Autor und Erzähler, um diese zu erzeugen. Dieses Hörbuch ist nichts für zartbesaitete Kinder. Es spricht eher Jugendliche und Erwachsene an. Tausendmal besser als die Fahrt in einer Geisterbahn, erstklassig geeignet für ein Horrordinner im Kerzenschein.

„Nach Einbruch der Nacht würde es dir hier nicht gefallen. Halt dich immer an den Weg, Edgar, und trödele nicht im Wald herum!“ Auf dem Cover steht der verdutzte Edgar zwischen merkwürdigen Bäumen. Knöcherne Hände recken sich ihm entgegen. An einem Zweig hängt ein aufgespießter Totenkopf, Dohlen hocken in den Ästen. Die schaurigen Illustrationen auf beigefarbenem Hintergrund stammen von David Roberts. Sie stimmen auf die alte Zeit ein, in der die Geschichten spielen. Für dieses Hörbuch braucht man starke Nerven. Es sind acht Geschichten, die einem den Angstschweiß aus den Poren treiben und eine, die alles aufklärt. Wer sich bis zum Schluss gruseln will, liegt mit diesem Hörbuch genau richtig. Der schaurigen Atmosphäre kann man sich nicht entziehen. Mit „Schauergeschichten vom Schwarzen Schiff“ und „Schauergeschichten aus dem Schlund des Tunnels“ ist für erlebnisreichen Gänsehautnachschub gesorgt. Hut ab vor einem schaurig-schönen Hörvergnügen.

 

Unsere Bewertung:

Sprecher :

Story: 

Aufbau:

Atmosphäre:

18 Sterne= hervorragend

Cover: © audiolino

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