Juan Gabriel Vásquez: Das Geräusch der Dinge beim Fallen
Written by Ulrike Stiefelhagen |
 
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Der junge Professor Señor Yammara lernt in einer Kneipe in Bogotá den rauen, älteren Billiardspieler Ricardo Laverde kennen. Laverde kommt aus dem Gefängnis und wird von Schuldgefühlen gegenüber seiner Ex-Frau geplagt. Sein einziger Lebenssinn ist es, seinen Fehler wieder gut zu machen und wieder mit seiner großen Liebe vereint zu sein. Yammara wird neugierig, doch Laverde behandelt den Jüngeren kaum wie einen Freund.

Laverde verschwindet aus Yammaras Blickfeld, Yammara gründet eine Familie, sein Leben geht weiter – bis er Laverde wiedertrifft und hautnah miterlebt, wie Laverde auf offener Straße erschossen wird. Wer war Laverde überhaupt? Was hat er, kurz bevor er erschossen wurde, auf der heimlich erworbenen Kassette gehört? Welche Schuld wollte Laverde bei seiner Frau wieder gutmachen? Yammara beginnt Fragen zu stellen, und merkt, dass sich nur neue Fragen vor ihm auftun, je tiefer er sich in Laverdes Geschichte hineinbegibt.

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Dieses Hörspiel über die Anfänge und die Folgen des Drogenkriegs in Kolumbien ist eine tragische, traurig-schöne Geschichte, die sich hervorragend zum Hören eignet. Sie handelt davon, wie gefährlich das Leben ist, wie wichtig (und manchmal nichtig) die Liebe ist. Und dass die Gier nach schnellem Geld auch aus naiver Glückssuche entstehen kann – und deshalb ihre Protagonisten umso verletzlicher macht, da sie ihr Handeln nicht überblicken. Am Ende hat der Drogenkrieg die Familien beider Protagonisten zerstört.

Mit dem Aufeinandertreffen der beiden unterschiedlichen Männer verknüpft Vásquez zwei Zeitebenen. Liebevoll personalisiert er die Anfänge des Drogenhandels anhand einer amerikanischen Entwicklungshelferin, Laverdes damaliger Frau, die im Zuge der Anti-Vietnam- und Hippie-Bewegung der späten 60er Jahre das gute Leben entgegen US-amerikanischer Politik sucht. Sie arbeitet für die Entwicklung einer neuen kolumbianischen Gesellschaft im Kleinen, und gründet dort auch ihre Familie.

Die Musik in diesem sehr literarischen Hörspiel trägt die Stimmung weiter, vor allem die Gitarrenklänge von Markus Tiedemann in der Komposition von Rainer Quade bauen die melancholische Landschaft des Kolumbiens aus Vásquez’ Roman auf, und verbinden die Dialoge. Wir reisen mit Yammara durch kleine Wohnungen in Bogotá, auf einen Landsitz mit Bienenzucht und zu Pablo Escobars verlassenem Wohnsitz mit Privatzoo samt seinen hungrigen Tieren.

Die lakonische Stimme von Sebastian Rudolph trägt Sehnsucht und Trauer in sich, als ob Yammara damit abgeschlossen habe, dass viele Fragen offen bleiben. Bernhard Schützs Stimme changiert, wie immer, großartig zwischen naivem Jungen und der Grenze zum Wahnsinn. Positiv fällt auch Tanja Schleiff als Mutter von Yammaras Tochter auf, sowie Katharina Schmalenberg als Tochter Laverdes, die Jahre später ihren Vater und seine Fehlentscheidung durch Erzählungen derer, die ihn kannten, verstehen möchte, und mit ihrer heutigen Sicht die Handlungen ihrer Mutter und ihres Vaters neu bewertet.

Der herausgebende Hörbuchverlag DAV hat ein Händchen bewiesen, diese wertvolle WdR-Hörspielbearbeitung des Romans von Juan Gabriel Vásquez in sein Programm aufzunehmen! Leider enttäuscht die Verlagsseite zum Hörspiel mit einem lieblosen Text. Cover und CD-Gestaltung sind dagegen wunderschön. Die Romanvorlage hat 2011 einen internationalen Literaturpreis für spanischsprachige Werke und 2014 in englischer Übersetzung den internationalen IMPAC Preis erhalten.

 

Unsere Bewertung:

Sprecher:
Handlung:
Charaktere:
tech. Umsetzung:
Cover:
Emotion:
 
26 Punkte = Ohrenschmaus

Cover: © DAV

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