William Golding: Herr der Fliegen
Written by Adriane Haussmann |
 
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Die Angst auf einer einsamen Insel zu landen, beschäftigt seit vielen Jahren die Menschen. Auch die Frage was danach kommt. Kann sich eine neue Zivilisation bilden oder werden aus Zivilisierten doch Wilde? Wie schafft man es zu überleben und gerettet zu werden? Besteht eine Chance?

Auch Autor William Golding beschäftigten diese Fragen und so schrieb er 1954 seinen Debütroman „Herr der Fliegen“. Doch anstatt nur einen einzigen Robinson Crusoe auf einer Insel stranden zu lassen, nimmt er eine Gruppe von Sechs- bis Zwölfjährigen Jungen. Sind diese Kinder von der Zivilisation schon geprägt genug, um auf der Insel diese weiterleben zu lassen?

Schnell bilden sich unter den Jungen zwei Lager. Zum einen ist da Ralph, der versucht mit Ruhe und Ordnung einen Alltag zu schaffen und das Überleben zu sichern. Zu ihm gesellen sich der intelligente, aber dickliche Piggy und Simon, der von Alpträumen geplagt wird, sowie viele der Jüngeren. Sein gegenüber ist der rothaarige Jack, er jagt lieber und zeigt bald eine hohe Gewaltbereitschaft. Wer nicht für ihn ist, ist automatisch gegen ihn und bekommt dies deutlich zu spüren.

Als die Jüngsten von einem Monster berichten, geht die Angst um. Doch anstatt gemeinsam zu arbeiten, verfeinden sich die Lager und jetzt steht nicht nur die Angst vor dem Monster im Raum, sondern auch die Angst vor den anderen. Vor allem der sensible Simon spürt dies und träumt von einem Mann, der ihm den sicheren Tod voraussagt. Und tatsächlich, nicht nur Simon wird getötet, sondern auch Piggy und schließlich ist nur noch Ralph übrig. Ein Marineoffizier findet die Kinder und kann so schließlich den Sieg von Jacks Truppe verhindern.

 

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Der Stoff hat es in sich. Und so kann man bereits ahnen, dass das gleichnamige und einstündige Hörspiel, das dieses Jahr im Hörverlag erschien und den Stoff neu aufarbeitet, nicht gerade harmlos ist. Als Sprecher hat man sich ausschließlich unbekannte Jungtalente gesucht, die ihren Job aber sehr gut machen.

Wer die Romanvorlage nicht kennt, wird allerdings ein wenig Schwierigkeiten bekommen, da das Hörspiel, so wie Simons Träume, ziemlich wirr ist und gerade am Ende sehr sprunghaft fortläuft und nur noch Andeutungen macht, was gerade wirklich passiert. Aber gerade dadurch wirkt das Hörspiel düster und unkontrolliert. Der Ausnahmezustand wird durch Wortfetzen und die Musik untermalt.

Dass die Kinder gerettet werden, wird bereits gleich zu Beginn deutlich, da das Hörspiel mit der Landung des Marineoffiziers beginnt, der den völlig verstörten Ralph findet. Durch seine wahnvorstellartigen Erzählungen kann man erahnen, welche Hölle auf der Insel herrschen muss und das Zwiegespräch mit den Opfern zeigt, dass keine Klarheit mehr in den Köpfen vorherrscht. Die Kinder und das Gewaltpotenzial sind zum Selbstläufer geworden.

Unter der Regie von Joachim Staritz ist mit Hilfe von Wolfgang Lenk und Tobias Künzel eine schaurige Hörspielinszenierung entstanden, die definitiv nur für Erwachsene ist, die sich den zeitlosen Klassiker wieder ins Gedächtnis rufen möchten und sich bereits mit der Thematik auseinander gesetzt haben. Nur das Hörspiel anhören ohne sich mit dem Stoff zu befassen, halte ich nicht für empfehlenswert.

 

Unsere Bewertung:

Sprecher : 

Story: 

Aufbau: 

Atmosphäre: 

 

16 Sterne = hervorragend

Cover: © Hörverlag

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