Emily Bronte: Sturmhöhe
Written by Elmar Fässler |
 
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"Es ist ein Rätsel, wie jemand so ein Buch schreiben kann, ohne sich nach den ersten paar Kapiteln umzubringen", so urteilte eine englische Frauenzeitschrift nach dem Erscheinen des Romans „Wuthering Heights“ von Emily Brontë im Jahr 1847 - als deutsche Übersetzung des Werkes hat sich „Sturmhöhe“ durchgesetzt. Um dem Leser das recht düstere und verworrene Drama der Familien Earnshaw und Linton im viktorianischen England des ausgehenden 18. Jahrhunderts nahezubringen ohne ihn allzu sehr zu verstören, ersann Emily Brontë eine recht modern anmutende Erzählstruktur: ein Gentleman aus London bekommt die tragische Liebesgeschichte von Catherine Earnshaw und dem Findelkind Heathcliff von seiner Hauswirtin erzählt und dokumentiert dies in seinem Tagebuch.

„Dank starker Sprecher und kluger Kürzungen kann die dramatische Geschichte von der "Sturmhöhe" ihre ganze Stärke entfalten.“ – so NDR Kultur über die Umsetzung des englischen Romanklassikers die 2012 als zweiteiliges Radiohörspiel ausgestrahlt wurde. Der Hörverlag hat nun diese Produktion vor Kurzem auf 2 CDs mit einem sehr ansprechenden und aufwendigen Booklet herausgebracht. Mal sehen ob das Eigenlob des Senders berechtigt ist!

 

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Wir befinden uns in der Grafschaft Yorkshire, oftmals wehen heftige Stürme und Gewitter die von Mooren durchzogene wilde Heidelandschaft. Im Roman wird das durch anschauliche und oft ein wenig bedrohlich wirkende Schilderungen immer wieder eingeflochten und so eine Stimmung erzeugt, die an einen Gespensterroman erinnert.

Regisseur Kai Rehn bildet das im Hörspiel eher zurückhaltend ab und lässt nur dann und wann die Geräusche heulendenden Windes, kläffender Hunde und krächzender Krähen erklingen. Zusätzlich werden immer wieder schwermütige Klavierkompositionen von Murat Parlak eingeflochten, garniert mit Anne Clarks Sprechgesang. Das ist alles gut gemacht, bildet die düstere Stimmung des Originals aber nur ansatzweise ab.

Die komplexe Erzählstruktur mit den beiden Ich-Erzählern, dem wohlhabenden Londoner Gentleman Lockwood und seiner Hauswirtin Nelly, bietet sich förmlich an um daraus ein Hörspiel zu machen. Der Zuhörer kann sich die vielen an der Handlung beteiligten Personen gut vorstellen und behält durch die einprägsamen Stimmen eher den Überblick über die etwas verschachtelte Struktur des Romans. Besonders Bibiana Beglau als Haushälterin Nelly und Sebastian Blomberg, der den Lockwood spricht, haben mir hervorragend gefallen und bilden die beiden Ich-Erzähler sehr facettenreich ab.

Heathcliff, die zentrale Figur des Romans, wurde bereits in seiner Kindheit gequält und drangsaliert, als seine große Liebe Catherine Earnshaw den Sohn des benachbarten Gutsbesitzers heiratet, zerbricht etwas in ihm und er rächt sich fortan konsequent an allen Beteiligten. Diese psychologisch interessante Romanfigur wird von Alexander Fehling gesprochen. Er schafft es aber meiner Meinung nach nicht den den schwierigen und renitenten Charakter von Heathcliff glaubhaft abzubilden. Auch der durchweg erscheinende Frohsinn mit dem Franziska Wulf die jugendliche Catherine Linton darstellt, wirkt auf mich mir etwas unpassend.

 

Um sich einen schnellen Überblick über den recht komplexen Handlungsstrang von „Sturmhöhe“ zu bekommen, ist das Hörspiel besonders gut geeignet, da vieles textlich doch stark gerafft wurde, doch bleibt der ursprüngliche „Spirit“ des Roman ein wenig auf der Strecke.

Einen viktorianischen Familienroman zu modernisieren, ist ja beinahe ein Widerspruch in sich, das Verstaubte macht ja gerade den Charme solcher Werke aus. Kai Grehn hat da meines Erachtens ein wenig übertrieben und so eine Art „Light“–Ausgabe des englischen Literaturklassikers „Sturmhöhe“ geschaffen, erstaunlich leicht zu hören, aber eben auch um einiges glätter als in der Romanvorlage.

Wer ein wenig höhere Ansprüche hat, möge das Original im Buch oder als Hörbuch begutachten – beispielsweise die Ausgabe von Silberfisch mit den Sprechern Wolfram Koch und Eva Mattes, es handelt sich um eine moderat gekürzte Lesung auf 4 CDs. Speziell für Fans von Schauergeschichten oder klassischem englischen Crime im Stile Conan Doyles dürfte dies die bessere Wahl darstellen.

Mit kleineren Abstrichen liegt uns also ein rundum gelungenes Hörspiel vor, das als erste nennenswerte deutschsprachige Hörstückadaption von Emily Brontë „Wuthering Heights“ gelten darf!

 

Unsere Bewertung:

Sprecher : 

Story:

Aufbau:

Atmosphäre:

15 Sterne = gut gelungen

Cover: © Hörverlag

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