Der 100-Jährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand
Written by Daniel Fröhlich |
 
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Dass zu nahezu jedem aktuellen Roman, der auch nur ansatzweise erfolgreich ist (oder auch nicht), ein Hörbuch erscheint, ist mittlerweile relativ normal. Umso erstaunter bin ich da, als man mir das vorliegende Hörspiel zum gleichnamigen Roman zukommen lässt. Gespannt höre ich direkt mal rein …

Um was geht’s hier eigentlich? Ganz einfach Allan Karlsson, ein gealterter Sprengstoffexperte, der in einem Seniorenheim vor sich hin lebt, hat einfach keine Lust mehr und kurz vor der Feier zu seinem einhundertsten Geburtstag steigt er kurzerhand aus dem Fenster und macht sich aus dem Staub. Doch so überschaubar bleibt es nicht lange, denn bald überschlagen sich die Ereignisse und übertreffen sich wieder und wieder an Absurdität. Durch einen Zufall gelangt Karlsson in den Besitz eines Koffers in dem sich ein hoher Millionenbetrag befindet und bald sind die wahren Besitzer hinter dem Geld her. Nach und nach liest er auf seinem Weg immer wieder neue Gefährten auf, die er beteiligt und die sich seiner „Bande“ anschließen. Es versteht sich, dass auch die Polizei bald nicht mehr fern ist … und natürlich auch ein afrikanischer Elefant, den hätte ich beinahe vergessen. Doch nicht nur die Gegenwart steht im Vordergrund, nach und nach werden wir auch mit der Vergangenheit des hunderjährigen Schweden vertraut gemacht. Immer mal wieder wird die Handlung zu diesem Zweck durch eine Episode aus den „unglaublichen Begegnungen und Abenteuern des Allan Karlsson“ unterbrochen. In diesen Exkursen erhalten wir Einblick in das bewegte Leben des Protagonisten bei denen er unter anderem die persönliche Bekanntschaft mit Leuten wie Stalin, General Franco, Mao Zedong oder den amerikanischen Präsidenten Truman und Johnson macht und sowohl West als auch Ost zur Atombombe verhilft. Man kann wirklich sagen, dass Allan ein sehr bewegtes Leben hatte.

 

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Wer meint, dass wir es bei dieser Geschichte mit einem wahren Absurditätenkabinett zu tun haben, der liegt damit gar nicht so falsch. Man präsentiert dem Hörer hier eine ganz schöne Aneinanderreihung von Räuberpistolen … aber eine durchaus unterhaltsame. Die Charaktere sind durch die Bank weg interessant und amüsant, wenn zum Teil auch etwas überzeichnet. Auch die historische Komponente, die den Hörer in Begleitung des Hauptcharakters durch die Weltgeschichte führt, hat durchaus ihren Reiz. Die eigentliche Rahmenhandlung des Hörspiels erscheint mir eher als Mittel zum Zweck, so dass Karlsson dann immer wieder mit einem „das ist fast so wie damals als ich ...“ zu seinen Annekdoten überleiten kann. Wenn einen das nicht stört, so hat man hier ein sehr kurzweiliges Hörspiel von gut drei Stunden Länge vor sich. Zu einem guten Gesamteindruck tragen auch die Sprecher bei, wobei man es hauptsächlich mit Stimmen zu tun hat, die hörspieltechnisch noch nicht verbraucht sind. Auch die musikalische Untermalung durch die HR-Big Band fügt sich harmonisch in das Gesamtbild.

Alles in allem kann ich sagen, dass mir "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" gut gefallen hat. Wer es gerne mal schräg, kurios und sogar abstrus mag, der kann hier ohne Bedenken zugreifen und gemeinsam mit dem Schweden in seine ganz persönliche Weltgeschichte eintauchen.

 

Unsere Bewertung:

Sprecher:
Handlung:
Charaktere: 
tech. Umsetzung:
Cover:
Emotion:
 
22 Punkte = Hörspaß

Cover: © Hörverlag

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