Roald Dahl: Der magische Finger
Written by Martina Ernst |
 
Font size decrease font size increase font size
Rate this item
(0 votes)

Der britische Schriftsteller Roald Dahl war für seinen schwarzen Humor bekannt. Einige seiner Kinderbücher wie „Hexen hexen“, „James und der Riesenpfirsich“, „Matilda“ und „Charlie und die Schokoladenfabrik“ wurden verfilmt. In „Der magische Finger“ hat die 8-Jährige Trixi ihre Wut nicht unter Kontrolle.

Trixi ist in der 3. Klasse und soll „Huhn“ buchstabieren. Ihre strenge Lehrerin Frau Winter hat nur Hohn und Spott für Trixis Buchstabierversuche über. Vor Wut kribbelt es mal wieder in Trixis Zeigefinger. Sobald Trixi etwas gegen den Strich geht, bestraft ihr magischer Finger den für ihren Zorn Verantwortlichen. Frau Winter wachsen dann Haare im Gesicht oder ein Eichhörnchenschweif ziert ihren Hintern. Trixi plagt jedes Mal das schlechte Gewissen. Immer Samstags geht Nachbar Herbert Bollei mit seinen Kindern Henry und Philip auf die Jagd. Trixi ist mit Henry und Philip befreundet und versucht den Dreien die Jagd auszureden. Leider verlaufen ihre Bemühungen ins Leere, und es kommt wie es kommen muss. Trixi wird fürchterlich wütend.

 

Der direkte Einstieg mit der Atmosphäre im Klassenraum und der sich ungerecht behandelt fühlenden Trixi ist gelungen. Schwierig wird es, wenn Geräusche und Musik aufeinander treffen. Besonders beim ersten Mal wirkt das Zusammenspiel überladen und eher chaotisch. Im Laufe der Geschichte entwickelt sich mehr Harmonie. Die Idee des magischen Fingers und die damit zusammenhängenden unkontrollierten Bestrafungen sind originell. Eigentlich will Trixi gar nicht so ausrasten. Sie kann ihre Wut einfach nicht unterdrücken. Diese Schwäche macht die Hauptfigur liebenswert. Trixi weiß nie, was sie anrichtet. Als sich ihre magischen Fähigkeiten ausgerechnet gegen ihre Freunde richten, ist sie aufgewühlt und verzweifelt. Trixis Emotionen lassen sich leicht nachfühlen. Sie will die Freundschaft zu Henry und Philip nicht verlieren und es sich mit deren Eltern nicht verscherzen. Trixis resolute Einstellung gegen die Jagd macht sie noch sympathischer. Zwar wird das erlegte Wild von den Nachbarn zum Essen verwendet, aber in erster Linie steckt unbändige Jagdlust dahinter. Die ausufernde Ballerei wird herrlich übertrieben mit den passenden Geräuschen in Szene gesetzt. Als Herbert und seine Jungs ein Reh erschießen, gerät Trixis Wut außer Kontrolle. Komisch, nichts passiert. Wird das so bleiben? Das Rätselraten, welche Folgen Trixis magischer Finger-Einsatz dieses Mal hat, hält nicht nur Trixi, sondern auch den Zuhörer in Atem. Familie Bolleis Leben verändert sich von einer Sekunde zur anderen. Trixi traut sich nicht, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen. Roxana Samadi schlüpft in die Rolle der Trixi und lässt ihre unterschiedlichen Emotionen sehr echt erscheinen. Wut, Ratlosigkeit, Verzweiflung, Trixi muss in dieser Geschichte einiges durchmachen, aber das ist nichts im Vergleich zu dem, was Familie Bollei erlebt. Trixis Wut hat nicht nur Auswirkungen auf Herbert Bollei, und das ist überraschend. Kommt am Anfang die Frage auf, wo die Geschichte hinführt, dreht sie im letzten Drittel richtig auf. Die Botschaft „Finger weg von Waffen und Schluss mit der Jagd“ kommt deutlich rüber.

Das Cover zeigt die wütende Trixi und ihren magischen Zeigefinger in Aktion. Die Details, wie die Wildenten und der Papierflieger, der eine Flugspur am Autorennamen hinterlässt, sind gut platziert. Sicherlich hätte das Cover auffälliger gestaltet werden können. 10 % des Autorenhonorars von diesem Hörbuch gehen an die Wohltätigkeitsorganisation „Roald Dahl’s Marvellous Childrens’s Charity“. Mehr Infos zur Wohltätigkeitsorganisation gibt es auf www.roalddahlcharity.org. das Hörspiel „Der magische Finger“ ist für Kinder ab 8 Jahren gedacht und für die ganze Familie ein unterhaltsamer und lehrreicher Hörspaß.

 

Unsere Bewertung:

 

Sprecher:

 

Handlung: (4,5)

 

Charaktere: (3,5)

 

tech. Umsetzung: (4,5)

 

Cover: (3,5)

 

Emotion:

 

23 Punkte = Hörspaß

 

Cover: © DAV