Dorian Hunter 14: Jagd nach Paris
Written by Mareike Möller |
 
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Natürlich sind die Franzosen dem eingefleischten teetrinkenden Engländer ein Graus, aber Chief Trevor Sullivan (Konrad Halver) und Marvin Cohen (Frank Gustavus) nehmen trotzdem die Verfolgung per Hubschrauber auf. In kunstvollen Überblendungen hören wir wie Hunter versucht sich am Dach des Zuges festzuhalten, während die beiden Agenten die Sachlage klären: Der Zug muss gestoppt werden. Von nun an schwenkt das Szenario zwischen den Ereignissen im Zug und den Gesprächen im Helikopter, die durch piepsende Funkgeräusche gestört werden und den Hörer an seine persönlichen Hörgrenzen bringen. Im Zug verspeist Frederic das Blut des Lokführers und hindert ihn so den Zug anzuhalten.

 

Robert Kotulla als Frederic besticht durch eine seichte und liebliche Sprechweise, die seinen Wahnsinn auf eine besondere Art und Weise unheimlich macht. Die schmatzenden Geräusche während des Abendmahls erinnern an die pornolastigen Schlappergeräusche der letzten Folge und hätten meiner Meinung nach etwas weniger ekelig ausfallen können. Ansonsten bietet das Hörspiel eine sehr gute Soundkulisse.

Die Musik von MoorlandMusic gibt dem Ganzen die bekannte düstere Hunter-Atmosphäre. Actionszenen werden dann auch einfach mal nur musikalisch dargestellt (Verfolgungsszene im Zug) und zeigen, dass manchmal weniger eben doch mehr ist.

Eine Weiche bringt den Zug doch zum Stoppen, just in dem Moment als Hunter seinen Bruder eine silberne Kugel ins Herzen schießen möchte. Hunter wird ohnmächtig und der Hörer wird ebenfalls für ein paar Sekunden mit absoluter Stille konfrontiert.

 

Nach dieser kurzen Verschnaufpause wird das Katz-und-Maus-Spiel nun im Tunnel, in dem der Zug gestoppt worden ist, verlegt. Im Dunkeln geht die Suche weiter und der Zuhörer verspürt, durch die gelungene Inszenierung von Geräuschen und Echo die Kälte und das Bedrohliche dieses Ortes. Nach diesem kurzen finsteren Intermezzo geht es auch schon wieder raus an die frische Luft und Hunter wird von der französischen Polizei festgenommen und soll sich beruhigen: „Ich bin ruhig.“

Dorian Hunter zeigt auch in dieser Folge, dass in ihm keineswegs ein tugendhafter strahlender Held steckt, sondern sein Wesen sowohl durch helle als auch dunkle Gene bestimmt ist. Er ist unfreundlich, sarkastisch und macht was er will. Man könnte ihn sogar als Soziopathen bezeichnen.

 

Thomas Schmuckert verleiht ihm zudem mit seiner Stimme eine gewisse Coolness und Charme. Sind nicht eigentlich alle Figuren dieser Serie in ihren Grundzügen ein bisschen psychopathisch veranlagt?

Chief Sullivian scheint chronisch schlecht gelaunt und genervt zu sein und wird von Konrad Halver mit seiner versoffenen Stimme erstklassig schnoddrig ins Mikrofon gebrummelt. Kein Wunder also, dass der vorherrschende Humor bösartig und ironisch daherkommt.

 

Als äußerst amüsant kann man auch das Booklet dieser Hörspielproduktion bezeichnen, dass neben den standardisierten Informationen über Sprecher und Mitarbeiter auch einen kurzen Text über Oliver Kalkhofe enthält, der in dieser Folge den Franzosen Armand Melville mit übertriebenen französischen Akzent spricht (Warum muss es überhaupt Akzente und Dialekte in Hörspielen geben?). Was soll dieser kleiner Informationstext? Ist den Macher nichts Interessantes zu dieser Folge oder deren Serie eingefallen? Soll Oliver Kalkofe das Highlight dieser Folge sein? Falls ja, dann haben die Macher meiner Meinung nach auf den falschen Zug gesetzt.

Kalkhofe hat eine gute Stimme und scheint mir ein guter Sprecher zu sein, doch bitte, lieber Marco Göllner, nimm dem guten Mann das Croissant wieder aus dem Mund.

Für Dorian Hunter geht die Reise zusammen mit Armand Melville am Ende des Hörspiels weiter. Nächster Halt: Nizza.

 

Unsere Bewertung:

 

Sprecher : 

Story: 

Aufbau: 

Atmosphäre: 

 

14 Sterne = gut gelungen

Cover: © Folgenreich

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