MindNapping – Montana oder Eine seltsame Schleife (09)
Written by Daniel Fröhlich |
 
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Claude Montana ist Drehbuchautor, zu Beginn des Hörspiels werden wir Zeuge, wie er einige Filmszenen auf sein Diktiergerät spricht. In den darauf folgenden Telefonaten wird klar, dass Claude sich verfolgt und bedroht fühlt. Kurz darauf wird er von seiner Verlobten erhängt aufgefunden. Die Polizei geht von Selbstmord aus, unter anderem weil der Autor ein eigentümliches Testament hinterlässt, demnach die potentiellen Erben zunächst sein Drehbuch verfilmen müssen, um die Erbberechtigung zu erhalten. Darunter befinden sich sein Sohn und Schauspieler Tim Montana, sowie ein guter Freund aus vergangenen Tagen, der Regisseur Dave Pullman. Der Film, den es zu drehen gilt, birgt eine ganze Menge biographischer Elemente und sowohl der Autor als auch Tim und Dave sind Teil der Geschichte.

 

Während des Verlaufs wechselt man immer wieder zwischen der eigentlichen Zeit der Geschichte (2011) und den Filmszenen, die 1970 spielen. Mit zunehmender Spielzeit wird es immer verworrener und es häufen sich die Momente, deren tieferer Sinn unklar bleibt. Durch die plötzliche Wendung in der Erzählung zum Ende hin wirft man den Hörer dann völlig aus der Bahn. Mir persönlich kam es wie eine regelrechte Ohrfeige direkt aus dem Lautsprecher vor und ich war zunächst völlig verwirrt.

Es bleibt, was mich angeht, völlig unklar, was von dem gehörten nun wirklich passiert ist und was Fiktion bzw. Hirngespinst ist. Die „aufklärenden“ Worte ganz zum Ende können die große Frage hinter der Story auch nicht auflösen. Es bleibt einiges offen und man überlässt es dem Hörer eigene Schlüsse zu ziehen. „Eine Seltsame Schleife“ ist ein sehr anspruchsvolles Hörspiel, das nur schwer zu durchschauen ist. Ich für meinen Teil habe es dreimal angehört, beim dritten Durchlauf habe ich mir sogar Notizen gemacht, aber dennoch konnte ich nicht den tieferen Sinn hinter alledem in seiner Gesamtheit erfassen.

Meiner Meinung nach ist diese Episode schon eine Spur zu kompliziert, wenn es überhaupt eine eindeutige Lösung hinter dem Ganzen gibt. In jedem Fall ist dies kein Hörspiel, das man einfach mal nebenher hört oder bei dem man während der Zugfahrt vor sich hin döst. Der Hörer muss mitarbeiten und wird zum Nachdenken angeregt. Wer seinen Spaß an Psychospielchen hat und gerne über rätselhafte Stories nachdenkt, der wird hier seinen Spaß haben. Aber wie ich bereits zu Beginn anmerkte ist dies für meinen Geschmack kein Hörspiel für die breite Masse. Sagen wir es einmal so: Wenn die „Seltsame Schleife“ ein Film wäre, dann wäre dieser der ideale Kandidat für das Abendprogramm auf Arte, man könnte sagen ein Arthouse-Hörspiel.

Die Sprecher sind gewohnt gut besetzt, von musikalischer Seite beschränkt man sich auf Gitarrenklänge nach Westernmanier. Atmosphärisch gefällt mir das Ganze recht gut. Aber die eigentliche Story ist für mich persönlich nicht mehr als ein einziges großes Fragezeichen und wird so manchen Hörer nicht befriedigen. Rätselfreunde können also gerne zugreifen, wer allerdings eher auf kurzweilige Action oder einen „gewöhnlichen“ Thriller aus ist, der sollte besser die Finger davon lassen. Fazit: Sehr experimentell und ausgesprochen anspruchsvoll.

 

Unsere Bewertung:

 

Sprecher : 

Story: 

Aufbau: 

Atmosphäre:

 

13 Sterne = gut gelungen

 

Cover: © Audionarchie

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