Daniel Kehlmann: Der Mentor
Written by Ulrike Stiefelhagen |
 
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Ein alter Meister trifft ein junges Genie: Eine Woche, in einem abgeschiedenen Hotel mit Garten. Der etwas unwillige ältere Autor Rubin soll im Auftrag einer Kultureinrichtung gemeinsam mit dem jungen Autor Wegener an dessen Stück arbeiten. Beim Zusammenprall dieser Welten bricht so einiges auseinander. Erst langsam wird klar, wie genau es zu diesem zweifelhaften Glück kam. Neben den beiden Auserwählten Autoren ist noch der Kulturfunktionär vor Ort, und der junge Wegener hat seine junge Frau Gina mitgebracht. Am Ende ist alles anders.

 

 

Auch wenn Kehlmanns Konzept etwas trocken klingt, ist das Stück vor allem mit Stefanie Schönfeldts perlendem Alt (als Ehefrau Gina) und Franz Xaver Kroetz (als Benjamin Rubin), dem man das Alter in der Stimme anhört, wunderschön umgesetzt. Und es ist eine Freude, dem jungen Genie Martin, dem ehemals gefeierten alternden Autor, und dem Kulturfunktionär zuzuhören, wie sie sich gegenseitig nach und nach ihrer kleinen Lebenslügen berauben. Hörspielregisseur Götz Fritsch setzt dezent Geräusche und Atmosphäre ein, so dass ein sanft beschwingtes Kammerspiel entstanden ist. Einziges Manko der Regie: die Stimmen des „jungen Genies“ und des „Kulturfunktionärs“ klingen recht ähnlich und hätten durchaus deutlicher voneinander abweichend gewählt werden können.

Autor Daniel Kehlmann wurde durch seinen historisierenden Roman „Die Vermessung der Welt“ zu einem der erfolgreichsten deutschen Schriftsteller. Seit 1997 veröffentlicht er Romane, seit 2010 auch Theaterstücke. Nach „Geister in Princeton“ ist „Der Mentor“ das zweite Bühnenstück von Kehlmann, das als Hörspiel adaptiert wurde.  Und gerade im Gegensatz zu Kehlmanns „Vermessung der Welt“, die sich ja beinahe wie ein Sachbuch liest, ist „Der Mentor“ wunderschön erzählt und zieht den Hörer sanft und böse in seinen Bann.

 

Unsere Bewertung:

Sprecher: 
Handlung:
Charaktere: 
tech. Umsetzung:
Cover: 
Emotion:  

20 Punkte = Rohdiamant

Cover: © DAV


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