Jan Weiler: MS Romantik
Written by Adriane Haussmann |
 
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Man hört das Wasser plätschern und sofort denkt man an die Weiten des Ozeans, an Urlaub, an eine schöne Zeit. Doch als man gleich zu Beginn die Worte „Helfen Sie mir“ hört, ahnt man schon, dass hier nichts mit Eitel Sonnenschein ist.

Schnell erfährt man von einem etwas empfindlichen, materialistischen Protagonisten, dass das Urlaubschiffs – die MS Romantik – gerade am Sinken ist. Der Mann ist alles andere als zum Scherzen aufgelegt und macht es seinem weiblichen Gegenüber nicht gerade leicht. Aber auch diese Dame scheint mit der Situation völlig überfordert und verharrt zynischer Weise in der Rolle der Gästebetreuerin des Schiffes.

So kommt auch prompt herausfordernd die Bestellung: „Eine Latte Macciato, ein Fußbad und Oralsex“. Ein Dialog mit gelegentlichen Entgleisungen der Ausdrucksweise und jeder Menge Zynismus nimmt mitten auf hoher See seinen Lauf.

 

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Das Hörspiel „MS Romantik“, das von Annette Frier und Jan Weiler – dem Autor und stern-Kolumnisten - gesprochen wird, ist die Fortsetzung von „Liebe Sabine“ aus dem Jahr 2007. Mit dabei ist, wie schon bei „Liebe Sabine“, die Hauptfigur Uwe, der sich dieses Mal nach einem Schiffsuntergang mit einer eher unfreundlichen Gästebetreuerin auf einem Rettungsboot wieder findet.

Auch ohne den ersten Teil zu kennen, fällt es dem Hörer nicht sehr schwer, in die Geschichte einzusteigen. Allerdings wäre ein kurzer Abriss darüber, wie beide Hauptakteure in das Rettungsboot gelangt sind, wünschenswert gewesen, da man nur minimal erfährt wie sympathisch sich die beiden Protagonisten auf dem Boot fanden und es so eine Rahmenhandlung geben würde.

Die Hintergrundgeräusche, die zu Beginn sofort für die richtige Atmosphäre sorgen, werden leider mit der Zeit etwas störend, da man sich dann in mitten des Gesprächs befindet und dann immer wieder von monotonem Wellenschlagen herausgebracht wird.

Was anfangs sehr zynisch und viel versprechend begann, plätschert mit der Zeit dann etwas vor sich hin. Beide erzählen von sich und ihrem Leben, nur die verbalen Attacken zwischendurch machen das Gespräch wieder lebendiger. Dann plötzlich ist es zu Ende. Alles in allem ein doch sehr apprupter Schluss.

Seit dem 12. März kann man sich den knapp einstündigen Dialog nach Hause holen. Allerdings hätte er auch nicht sehr viel länger sein dürfen, da einfach der Inhalt im Gegensatz zum Vorgänger zu wünschen übrig lässt und man sich auch nicht so mit dem Inhalt identifizieren kann wie bei „Liebe Sabine“.

Zu den Vorlesern selbst bleibt zu sagen, dass sie ihre Arbeit gut gemacht haben und wirklich die idealen Besetzungen für diese beiden Rollen sind, vielleicht gibt es ja auch bald einen weiteren Schlagabtausch zwischen Jan Weiler und Annette Frier. Wie wäre es dann dieses Mal wieder mit einer bekannten Alltagssituation wie einem Stau oder einem stecken gebliebenen Fahrstuhl?

 

Cover: © Der Hörverlag

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