21 Aug

Aus den Studios: Robert Stadlober im Interview

Robert Stadlober kennt man aus vielen Rollen als Schauspieler, doch immer wieder stellt er sich auch hinter das Mikrofon und haucht Buchtexten Leben ein. So gerade geschehen bei "Das Apfelkuchenwunder".

Audio-Kritiken.de:  Lieber Robert, in dem Hörbuch geht es um Apfelkuchen, um keinen gewöhnlichen, sondern um einen geradezu ›magischen‹. Gibt es auch in deinem Umfeld jemanden, in deiner Familie, deinem Freundeskreis, der deines Erachtens nach den besten Apfelkuchen der Welt backen kann?

Meine Freundin kann sehr gut backen, allerdings backt sie sehr guten Rhabarberkuchen, Apfelkuchen nicht so oft… Meine Oma konnte früher - also als sie noch lebte – unfassbar guten Käsekuchen backen, das war mein Lieblingsessen als Kind, glaube ich. Ich hätte ganze Bleche Käsekuchen essen können, wenn ich gedurft hätte. Aber ich durfte natürlich nicht, aufgrund der immanent zu erwartenden Bauchschmerzen – die ich nie bekommen habe! Ich hätte auch wirklich ein ganzes Blech essen können, aber mir hat niemand geglaubt, dass ich keine Bauchschmerzen kriege.

 

Audio-Kritiken.de:  Ein weiterer großer Aspekt der Geschichte ist Oscars Gespür für seine Mitmenschen und ihre Gefühle. Er scheint instinktiv zu wissen, wann jemand traurig ist und backt dann seinen Apfelkuchen, durch den die Welt wieder ein kleines bisschen besser wird. Hast du auch irgendwelche speziellen Methoden, um einen guten Freund oder eine gute Freundin in schlechten Zeiten aufzumuntern?

Ich glaube, meine Methode war - und ist - wahrscheinlich immer noch Musik, die man Leuten vorspielt. Also wenn es jemandem sehr schlecht geht, gibt es meistens irgendeine Platte, die in diesem Universum mal aufgenommen wurde. Die Leuten das Gefühl geben kann, dass es doch noch Dinge gibt, die es lohnt zu entdecken. Und wenn es nur diese eine Platte ist, wegen der man dann vielleicht noch ein paar Tage länger auf dem Planeten bleiben möchte.

 

Audio-Kritiken.de:  Meg und Oscar kennen sich seit Kindertagen und haben gemeinsam schon die unterschiedlichsten und verrücktesten Dinge ausgeheckt, wie zum Beispiel ihre Namen in die Unterseite des Küchentisches zu ritzen. Kannst du dich noch an Aktionen aus deiner Kindheit oder Jugend erinnern, in denen du mit deinen besten Freunden solche ›ausgefallenen‹ Dinge unternommen hast?

Ich war in meiner Kindheit sehr stark durch die unfassbar gute Literatur von Karl May beeinflusst, und Karl May hat ja ein großes Faible für Blutsbrüderschaften… Ich habe mit mehreren Leuten aus meiner Klasse und mit meinem Cousin Blutsbrüderschaft geschlossen, was natürlich mit 7 oder 8 Jahren ziemlich bescheuert ist, und vor allem Anfang der 90er, Ende der 80er auch nicht so die beste Idee, als die ganze HIV-Hysterie relativ hoch anhängt war. Und ich meiner Mutter dann immer stolz erzählt habe „Ich habe einen neuen Blutsbruder!“, und sie jedes Mal vollkommen ausgerastet ist, verständlicherweise.

 

Audio-Kritiken.de:  Gab es bei dir in der Schule auch eine Person, die die Klassen nach einem Ratio-System wie Paloma im Titel unterteilt hat?

Oh ja, da gab es einige. Ich werde jetzt keine Namen nennen, aber das sind genau diese Leute, wegen denen ich zu keinem Klassentreffen gehe. Es gab bei mir in der Schule zwei ziemliche „Checker“, die genau wussten, wie so eine Hackordnung funktioniert, und die das auch sehr zu ihren Gunsten ausgespielt haben. Ich war teilweise zu naiv und teilweise auch zu faul bei dem Schwachsinn mitzumachen, deswegen hat bei mir vieles in der Schule nicht so funktioniert wie bei denen. Aber ich glaube, dass ich jetzt der glücklichere Mensch bin, hoffe ich zumindest (lacht) und rede es mir ein, dass sie nur in der Schule die Chefs waren und jetzt hoffentlich leidend in einem schlechten kleinen Haus irgendwo im Keller sitzen und keine Freunde haben (lacht).

 

Audio-Kritiken.de:  In dem Buch kommt zur Sprache, dass Oscar mit seiner ›Apfelkuchen-Begabung‹ an einem Talentwettbewerb teilnehmen will. Hast du auch irgendein ungewöhnliches, verstecktes oder sogar geheimes Talent, mit dem du in einer solchen Show auftreten könntest?

Das eine geheime Talent habe ich zu meinem Beruf gemacht – ich kann so tun, als wäre ich jemand anders, darum bin ich Schauspieler geworden. Was ich sehr gut kann, ist Diabolo spielen. Ich weiß nicht, ob das irgendjemand kennt, der nicht auf einer Waldorfschule war? Das ist eine Art Sanduhr aus Gummi, die auf einer Schnur balanciert wird und mir der man dann so Tricks machen kann. Das kann ich sehr, sehr gut, das ist allerdings auch so peinlich, dass ich damit in keiner Show auftreten würde, glaube ich (lacht), aber es macht Spaß.

 

Text: © DAV / Foto: © Matthias David