Wollten Sie schon immer mal wissen, wie es ist als Tier zu leben? Ohne allen Luxus, ohne Zivilisation und Bildung, wie wir sie kennen? Zum Beispiel als Fuchs? Charles Fosters radikales Experiment: Vom Würmer essen und durch die Lüfte segeln, eine einzigartige Reise in die Tierwelt. Sein erstes Buch, dass auf Deutsch erscheint, gelesen von Wanja Mues.

 

Welche Szene hat sie am beim Lesen meisten beeindruckt?

Mues: Hm, da gibt es viele… Eine davon ist, wie er mit seinem Sohn sich in einen Dachsbau verkriecht, einen selbstgebauten, wie sie da zusammen schlafen und gegenseitig ihre Herzen hören und in der Erde rings um sie herum das Wimmeln und Wuseln des Erdbodens… das hat mich wahnsinnig beeindruckt. Eine weitere Szene ist, wie er als Fuchs, als Stadtfuchs in diesem Fall in London, versucht zu leben und ein altes Pizzastück mit der Nase umdreht und beschreibt, wie dieses Pizzastück – was schon seit mehreren Wochen da gelegen haben muss mit verschimmelter Salami drauf - aussieht und riecht. Solche Schilderungen gibt es sehr, sehr viele und sie nehmen einen auf eine wahnsinnig spannende Reise mit, die man sonst nicht machen würde.

 

Foster zielt mit seinem Buch auf das Bedürfnis, sich mit unserer unmittelbaren, heimischen Lebenswelt näher auseinanderzusetzen. Können Sie dieses Bedürfnis nachvollziehen?

Mues: Ich kann das Bedürfnis sehr gut nachvollziehen, dass jemand versucht, sich mit seiner näheren Umgebung besonders intensiv auseinanderzusetzen, weil in dieser heutigen digitalisierten und globalisierten Welt, in der man viel Zeit in der virtuellen Welt verbringt und mit Leuten kommuniziert, die zum Teil tausende Kilometer von einem entfernt sind, verliert man manchmal den Blick für das, was direkt um einen herum ist. Und ich finde diese Bestrebungen, regionales Essen wieder zu bevorzugen und sich mal Gedanken zu machen, dass das Wasser was man kauft über tausende Kilometer mit Lastwagen zu einem herangeschafft wird in den Supermarkt - anstatt Wasser zu kaufen, was vielleicht in der Nähe aus dem Boden geholt wird oder Lebensmittel, die in der Nähe hergestellt werden. Und wenn jemand dann schaut, was ist wirklich um einen rum - wo kommen wir her, wie geht es den Lebewesen um einen herum - finde ich das spannend und wichtig.

 

Können Sie sich erklären, warum die Auseinandersetzung mit der Natur offenbar einen Nerv der Zeit trifft?

Mues: Ich finde die Auseinandersetzung mit der Natur in der Literatur ist ja nichts Neues, das war schon in Schulzeiten, als wir „Das Leben eines Taugenichts“ von Eichendorff gelesen haben oder andere Titel, die einen sehnsüchtig an den Wald oder an die Landschaft denken ließen. Ich finde es beeindruckend, wie sich dieser Wissenschaftler versucht den Tieren anzunähern und wie weit er dabei geht. Das ist hier der besondere Kern dieses Buchs.

 

Würde Sie ein solches Experiment, wie es Charles Foster unternommen hat, ebenfalls reizen?

Mues: Mich würde mal reizen, als Löwe irgendwo im Schatten eines Baumes zu liegen und meinem Rudel zuzuschauen, wie die jagen. Ansonsten, sich als Dachs oder Otter durch die Landschaft zu bewegen wie er das gemacht hat ist toll zu lesen, aber das wäre nichts für mich...

Charles Foster: Der Geschmack von Laub und Erde. Wie ich versuchte, als Tier zu leben

 

Foto & Text: © DAV