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Morton Rhue: Ghetto Kidz

Geschrieben von: Adriane Haussmann   
Dienstag, den 26. Juni 2012 um 22:02 Uhr

Jedes Kind kommt unschuldig auf die Welt und hat eigentlich alle Möglichkeiten etwas aus seinem Leben zu machen. Eigentlich, denn dies ist nur die Theorie. In der Realität sieht das ganz anders aus – auch in den USA.

 

Autor Morton Rhue legt den Fokus seines Romans „Ghetto Kidz“ auf die Ghettos in den Stadtrandgebieten und verarmten Innenstadtvierteln. Sein Protagonist ist der farbige Kalon. Kalon ist gerade einmal zwölf Jahre alt als wir ihn kennenlernen. Er lebt mit seiner Schwester bei seiner Großmutter in den Ghettos. Seine Großmutter hält die kleine Familie mit Putzjobs über Wasser. Kalon ist ein guter Schüler und hat die Möglichkeit auf eine weiterführende Schule zu wechseln, doch er entscheidet sich dagegen, um bei seinen Freunden zu bleiben. Mit zwölf Jahren hat Kalon schon zahlreiche Leichen gesehen und wird tagtäglich mit Gewalt und Drogen konfrontiert, doch er hält dagegen. Im Gegensatz zu seinen Freunden möchte er nie in einer Gang Mitglied sein und hält sich aus allem raus.

Doch Kalon wird älter. Es sterben mehrere aus dem Viertel, seine Großmutter ist schwer krank und kann die Familie nicht mehr ernähren und seine Schwester ist mit Zwillingen schwanger. Das Geld aus dem Sozialfond reicht hinten und vorne nicht und die kleine Familie leidet Hunger. Um seine Familie über Wasser zu halten, bestreitet Kalon den Weg, den er nie begehen wollte und rutscht in der Gewaltspirale immer weiter nach unten. Er ist gerade siebzehn Jahre alt, als er selbst seinen ersten Mord begeht und dafür ins Gefängnis kommt von dort er seiner Familie nicht mehr helfen kann.

 

Morton Rhue ist bekannt für seine schonungslosen Jugendromane, die die Missstände genauer unter die Lupe nehmen. Am Beispiel seines Protagonisten zeigt er den typischen Weg in eine Gang, der manchmal unumgänglich ist, obwohl die Überzeugung gegen diesen Weg spricht. Nicht umsonst endet das 3 stündige Hörbuch mit der Feststellung eines Freundes von Kalon, der berichtet, dass wenn er hätte wetten müssen, wer von ihnen beide einmal im Gefängnis sitzt er nie auf Kalon, sondern auf sich selbst gewettet hätte. Doch Kalon sitzt wegen Mordes, während sein Freund auf einer Farm ein anständiges bürgerliches Leben lebt und seinen Kindern beim Großwerden zusieht.

Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit, Krankheit und frühes Kinderbekommen prägen den Alltag in den Ghettos, wer sich nicht auf ihre Seite schlägt, ist automatisch gegen sie und egal, wer behauptet, dass diese Kids die gleichen Chancen haben, sie haben es nicht.

„Ghetto Kidz“ ist als Hörbuch bei Jumbo erschienen und wird von Jona Mues gelesen. Einige interessante Fakten zur Armut, Kriminalitätsrate und Ähnliches werden immer wieder von Bernd Stephan eingeschoben. Das Hörbuch ist chronologisch aufgebaut und legt dadurch den Schwerpunkt auf die Entwicklung des Protagonisten. Der Roman steht in Ernsthaftigkeit und Aktualität seinen Vorgängern „Asphalt Tribe“ und „Die Welle“ in nichts nach. Spannende Gesellschaftskritik wie man es von Morton Rhue gewohnt ist, die den richtigen Ton anschlägt und den Hörer mit folgendem Zitat erwartet:

„Die Leute, die in schicken Anzügen im Fernsehen saßen und sich so vornehm ausdrückten – die mochten behaupten, auch wir hätten eine Chance.

Die Lehrer, die ein Jahr lang an unserer Schule unterrichteten und dann wieder verschwanden, mochten sich einbilden, auch wir hätten eine Chance.

Die Politiker, die jeden Vorwand nutzen, um ins Fernsehen zu kommen, mochten den Zuschauern weismachen wollen, auch uns gäbe man eine Chance.

Aber alle kannten die Wahrheit: Wir hatten keine Chance. Wer im Ghetto lebt, hat keine Chance!“

 

Unsere Bewertung:

Sprecher : 

Story:

Aufbau:

Atmosphäre: 

16 Sterne= hervorragend

Cover: © Jumbo

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